Ohne Stanislaw Petrow wären wir heute vielleicht alle nicht am Leben: Der sowjetische Offizier verhinderte 1983 einen Atomkrieg. Jetzt ist Petrow im Alter von 77 Jahren in Moskau gestorben.

Mehrfach hätte sich die Menschheit aus Versehen fast selbst vernichtet.


Der sowjetische Oberstleutnant Stanislaw Petrow hat in einer dramatischen Nacht im Jahr 1983 durch Besonnenheit einen Atomkrieg verhindert. Als 77-jähriger Rentner starb er schon am 19. Mai im Moskauer Vorort Frjasino.

Bekannt wurde die Todesnachricht aber erst jetzt durch einen Freund Petrows in Deutschland, den Unternehmer Karl Schumacher aus Oberhausen. "Er hat die Welt gerettet", sagte Schumacher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "Mein Anliegen war immer, dass die Öffentlichkeit von der Leistung des Stanislaw Petrow erfährt."

Der Offizier hatte in der Nacht auf den 26. September 1983 Dienst im sowjetischen Frühwarnsystem "Oko" (Auge), installiert etwa 100 Kilometer südlich von Moskau. Das Verhältnis zwischen Ost und West war in jener Phase des Kalten Krieges gespannt.

Nur wenige Wochen zuvor hatte die Sowjetunion im Fernen Osten eine südkoreanische Boeing B747 abgeschossen, die sich auf sowjetisches Gebiet verirrt hatte. Der Zwischenfall kostete 269 Menschen das Leben.

Das Archivbild zeigt Stanislaw Petrow am 27.08.2015 in seiner Wohnung in der Nähe von Moskau.

In der Nachtschicht zeigten Petrows Bildschirme plötzlich den Abschuss von US-Interkontinentalraketen an, offenbar den Beginn eines Nuklearangriffs auf die Sowjetunion. Aufgabe des Offiziers wäre gewesen, die Führung zu alarmieren, um den Gegenschlag auszulösen.

Er hätte laut Protokoll Gegenschlag auslösen müssen

Doch dem studierten Ingenieur, der die Anlage mitkonstruiert hatte, kam der Computeralarm merkwürdig vor. Es schien ihm unlogisch, dass der Angriff nur von einer US-Basis und nur mit wenigen Raketen erfolgen sollte.

Der Oberstleutnant beschloss auf eigene Faust, lediglich einen Fehlalarm zu melden. Denn er wusste: Würde er die Signale als Angriff werten, würde er damit einen Atomkrieg und damit vielleicht den Untergang der Menschheit auslösen.

Während er äußerlich Ruhe bewahrte, zerriss ihn die Situation innerlich. Er fühlte sich, "als ob ich zu einer Exekution geführt würde", sagte er Jahre später in Interviews.

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Mehr als 15 endlos scheinende Minuten lang musste er mit der Ungewissheit ausharren, ob er in dieser dramatischen Situation die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Und er sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten. Wahrscheinlich hatte der sowjetische Frühwarnsatellit einen Sonnenstrahl, reflektiert durch eine hohe Wolke, als Raketenstart gedeutet.

Bekannt wurde Petrows Heldentat erst ein Jahrzehnt später. Er wurde dafür 2006 bei den Vereinten Nationen in New York ausgezeichnet, erhielt 2012 den deutschen Medienpreis und 2013 den Dresden-Preis.

Schumacher lud den Offizier im Ruhestand privat ein, um ihm den Kölner Dom und andere Stätten zu zeigen, "deren Zerstörung er verhindet hat".

Petrow habe eine Botschaft gehabt, sagte Schumacher: Man dürfe eine solche Entscheidung über Leben und Tod auf ganzen Kontinenten nicht einer Maschine anvertrauen.

Vom Tod Petrows habe auch er erst erfahren, als er zu dessen Geburtstag am 7. September in Frjasino anrief. Da habe ihm der Sohn vom Tod des Vaters in Mai berichtet.

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© dpa

Comments

  1. gustav Liisch

    Michael Heller,#127: Korrektur: Der Angreifer stellt sich immer als Opfer dar. Die Leier kenne ich. Aggressor bleibt Aggressor. Ich denke nur an die vielen unschuldigen Zivilisten, die durch den Überfall vertrieben wurden, die tun mir Leid.

  2. Fred Kulisch

    Hätte Herr Petrow ''korrekt'' Meldung erstattet, hätte sich die ''Führung'' mit der Entscheidung zur Reaktion plagen müssen. Er hat's dazu aber nicht kommen lassen.

  3. gustav Liisch

    Michael Heller,#127: Der Angreifer fühlt sich als Opfer. Die Leier kenne ich. Aggressor bleibt Aggressor. Ich denke nur an die vielen unschuldigen Zivilisten, die durch den Überfall vertrieben wurden, die tun mir Leid.

  4. Simone Meier

    Na ja, wir können das ganze auch abkürzen. Petrow hat an diesem Tag klug entschieden, sein Land hat sich mit Dank zurück gehalten und heute flippen hier alle nur aus, weil sie alles, was auch nur im entferntesten nach Russland riecht, aussieht oder sich anhört kritiklos vergöttern möchten. Ist wohl eine moderne Religion unter den Rechten, soll mir egal sein. Der Petrow war sicher ein guter Kerl.

  5. St Seltmann

    wahrscheinlich war es einer von tausenden fehlalarmen. beunruhigend, dass unser leben von sozialistischem murks abhing. wie sieht es heute wohl damit aus ? und auf die anderen atomfritzen ist auch kein verlass. also, bitte : weg damit. gleiches gilt für die friedl. kernkraft. forschung ja, für den rest seid ihr nicht reif !

  6. Fred Kulisch

    die Führung informieren ----> um dann den Gegenschlag auszulösen. Wenn die Führung das ok gibt. Er saß in einer Beobachtungsstation, nicht in einer Waffenleitzentrale. Sie interpretieren da zuviel rein.

  7. Michael Köhler

    @Jens Spitzner Wo steht denn im Reich Putins das Denkmal für Petrow? ;-) Daß russische Militärtechnik dermapen versagte, ist eben gegen die Putin-Propaganda gerichtet, Rußland als militärische Großmacht darstellen zu wollen.

  8. Rüdiger Hank

    "Der Retter der Welt..." Wieder mal so eine typische Volksverblödungs-Headline... Liebe GMXler: Bei euch hat man immer den Eindruck, ihr haltet eure Leser für vollkommen naiv und dumm. Sachlich begründet hat dieser Mann, dessen Verdienste völlig außer Frage stehen und den ich persönlich dafür Dank schulde, aller Wahrscheinlichkeit nach die Menschheit vor einer großen Katastrophe bewahrt, aber die Welt gerettet hat er definitiv NICHT, denn der Welt ist es scheixxegal, ob die Erde verseucht, kontaminiert oder verstrahlt wird und für Mensch, Tier und Pflanzen dadurch unbewohnbar ist. Also bitte: Märchen-Überschriften einfach weglassen und sachlich berichten, OK?

  9. lutz hofmann

    ich schreibe immer alles klein , die tastatur hat nicht mit gespielelt

  10. Jutta Hinkel

    #134: was daran hätte ich nicht verstanden? Sie schreiben doch selbst "um den Gegenschlag auszulösen". Von Knöpfe drücken habe ich im Zusammenhang mit den heutigen Machthabern geschrieben. Man muss schon lesen können und auch verstehen.

  11. Andreas Kneuker

    "Wahrscheinlich hatte der sowjetische Frühwarnsatellit einen Sonnenstrahl, reflektiert durch eine hohe Wolke, als Raketenstart gedeutet." Diese Interpretation für die Auslösung der Fehlwarnung des Frühwarnsystems gehört wohl ins Reich der Märchen. Ein Sonnenstrahl für eine Rakete. Es waren aber angeblich mehrere Raketen, die das Frühwarnsystem erkannt haben wollte. Zitat".. mit wenigen Raketen erfolgen sollte." Dann müssten es aber auch mehrere Sonnenstrahlen gewesen sein, die ALLE versehentlich vom russischen Frühwarnsystem für Raketen gehalten wurden. Das ist schlicht unplausibel. . Es ist aber auch nicht der springende Punkt. . In was für einer geitesgestörten Welt leben wir, in der es überhaupt zu solchen Szenarien kommen kann? . Welcher Teufel hat uns da geritten und reitet uns noch?

  12. Fred Kulisch

    Frau Meier: Er war Soldat und hat einen Befehl mißachtet. Dafür gibt's leider keine Orden.

  13. lutz hofmann

    der mann ist gestorben und hat er die achtun vo russland erhalten ? auf ein neues.

  14. Fred Kulisch

    @ Frau Hinkel Der Artikel enthält kaum Infos zur Kommandostruktur. Geschrieben steht: Aufgabe des Offiziers wäre gewesen, die Führung zu alarmieren, um den Gegenschlag auszulösen. Da steht nirgends, er hätte dann auch den roten Knopf drücken müssen. Das System der Zahräder gibt's garantiert, durch Herrn Petrow wurde dieses jedoch nicht in Gang gesetzt. Wir leben also alle weiter Dank einer Befehlsverweigerung. Kling doof, ist aber so.... und wird hoffentlich so bleiben.

  15. Jutta Hinkel

    #124: Ich bitte Sie, er hätte lt. Anweisung (Befehl!) den Computeralarm weitergeben müssen! Somit wäre, das ist doch wohl unumstritten, die atomare Katastrophe ausgelöst worden, weil ein angeblicher Nuklearangriff auf die Sowjetunion. Also doch! Er selbst hat die letztendlich andere Entscheidung getroffen, und das allein!

  16. Simone Meier

    Du liebes bisschen, was sich hier manche schwülstig ergehen. Nobelpreisträger der Herzen, Ruhe in dem Frieden, den du der Welt geschenkt hast... Nicht mal sein eigenes Land hat es fertig gebracht, ihn zu ehren aber alle sind mal wieder extrem empört, warum er keinen Friedensnobelpreis erhalten hat. So scheinheilig.

  17. Armin Müller

    Roland Spät: wie gesagt: Ihre Sicht der Dinge ist das, was Sie für am wahrscheinlichsten halten. Ich werde mir zu dem Thema mein eigenes Bild und meine eigene Meinung machen. Vielleicht können Sie mir ja eine Quelle der von Ihnen angeführten "zahlreichen seriösen Abhandlungen" nennen - als Hilfe für den tieferen Einstieg in die Materie, damit ich "Depp" das dann auch mal verstehe. Ich bin mittlerweile einfach davon angenervt, dass in Diskussionen zunehmend die Unsitte des "weil ich davon überzeugt bin, ist es auch so" um sich greift. Und warum soll ich einer plumpen Behauptung ohne weitere Nachweise hier im Forum einfach so glauben?

  18. Jens Spitzner

    #Michael Köhler 113 Herr Köhler, ich halte es da eher mit Herrn Michael Heller #63: "Köhler, Sie sind wirklich eine hasserfüllte Witzfigur, der jede Verleumdung und jede noch so absurde Behauptung recht ist, um Stimmung gegen Russland zu machen. Das hat wahrhaftig schon manische Züge." und füge hinzu, dass Ihnen für Ihre Hasstiraden selbst Lügen nicht zu schade sind.

  19. Klaus-Dieter Hanke

    Hut ab vor solchen Männern,aber in der heutigen Zeit haben wir Leute wie den einzigen Übergewichtigen Nordkoreas und einen arroganten Greis in den USA vor den Knöpfen sitzen und so könnte uns die Vergangenheit doch noch einholen...

  20. Martina Keens

    Und wer rettet die Welt vor Kim?

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