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Sie sind mehr als doppelt so alt wie die Pyramiden von Gizeh: Die Tempelanlagen von Göbekli Tepe stellen einiges in Frage, was in der Geschichte der Menschheit als sicher galt. Ein Zeitreise in das Jahr 10.000 vor Christus.

Von den Einheimischen wird der kleine Hügel am höchsten Punkt der Germus-Bergkette als heiliger Ort verehrt.

Tatsächlich hat dieser Ort in der Südtürkei etwas magisches, denn auf einem Gebiet von rund 300 auf 300 Metern erstreckt sich die wohl älteste Tempelanlage der Welt.

Göbekli Tepe heißt sie, was auf türkisch so viel wie "bauchiger Hügel" bedeutet. Die ältesten Steinanlagen kommen aus dem 10. Jahrtausend vor Christus. Richtig gelesen, Jahrtausend.

Damit sind sie 7.000 Jahre älter als die Pyramiden von Gizeh, 6.000 Jahre älter als Stonehenge und 8.500 Jahre älter als die Akropolis von Athen.

Die Sensation eines deutschen Prähistorikers

Bereits in den 1960er-Jahren haben Archäologen diesen Ort entdeckt und als steinzeitliche Stelle identifiziert. Doch die eigentliche Sensation gelang einem deutschen Professor 1994.

Der Prähistoriker Klaus Schmidt entdeckte Bruchstücke von Pfeilern, die er zunächst für Grabsteine eines muslimischen Friedhofs hielt. Doch dann fiel ihm auf, dass die Muster auf den Steinen wesentlich älter sein mussten.

Nach zahlreichen Grabungen und langen Untersuchungen stand fest: Schmidt hatte die wahrscheinlich ältesten Tempel der Welt entdeckt und mal eben die Geschichte der Menschheit auf den Kopf gestellt.

Der Weg in die Zivilisation

Denn die Geschichte der Menschheit lautete eigentlich immer so: Der Mensch war die allermeiste Zeit seiner Existenz Jäger und Sammler, also ein Selbstversorger, der im kleinen Familien- oder Klankreis umherzog und jagte.

10.000 Jahre vor Christus erfolgte dann nach gängiger Theorie die neolithische Revolution. Das bedeutete, dass Menschen anfingen, Getreide anzubauen und sesshaft zu werden.

Ausgrabungen in Göbekli Tepe im Jahr 2011.

Diese Sesshaftigkeit ermöglichte das Zustandekommen von Gesellschaft, Religion und Kultur. Daraus entwickelten sich dann irgendwann Zivilisationen.

Die meisten dieser frühen Hochkulturen entstanden vor rund 5.000 Jahren - so das alte Ägypten, Mesopothamien oder die Caral-Supe-Stadtsiedlung in Peru.

Göbekli Tepe stellt diese sonst immer als ganz linear geltende Geschichte in Frage und das aus einem einfachen Grund: Um die Tempelanlagen mit ihren bis 5,2 Meter hohen Steinblöcken zu errichten, brauchte man eine riesige Zahl an Arbeitern.

Damit man diese Menge organisieren und für sich arbeiten lassen kann, muss man bereits über ein ausgeprägtes Hierarchiesystem verfügt haben – wohlgemerkt vor rund 11.000 Jahren. Das hielt man bisher für unmöglich.

Die ältesten Götter der Welt

Zusätzlich zum Transport der tonnenschweren Steine waren die Erbauer von Göbekli Tepe auch noch in der Lage, zauberhafte Skulpturen und Verzierungen in die Steine zu hauen. Ein Leopard springt den Betrachter förmlich aus einem Stein an.

Die 5-Meter-Monolithe in T-Form sind nach Meinung einiger Experten die ältesten Darstellungen von Göttern in der Geschichte der Menschheit. Der Grund: Die Steinmetze zeigen Arme, einen Torso und sogar einige Gürtel, aber kein Gesicht. Das bedeutet nach Ansicht der Forscher, dass die Gestalten nicht von dieser Welt sind.

Ein Tempel ohne das Rad, Metalle oder Nutztiere

Vor 12.000 Jahren hatte der Mensch nach herrschender Meinung gerade einmal das Feuer für sich entdeckt. Es gab kein Rad, kein Metall und keine Nutztiere, die beim Bau der Tempel hätten helfen können. Die Gesellschaft von Göbekli Tepe war also noch steinzeitlich.

Dadurch, dass Göbekli Tepe auf einem Hügel liegt, fehlt ein direkter Zugang zu Wasser. Die Menschen haben sich also nicht lange an ihrem Heiligtum aufhalten können. Das ist ein Beweis dafür, dass der Tempel ausschließlich für religiöse Zwecke und nie für den Alltag ausgelegt war.

Einen weiteren Hinweis lieferte ein Fund unweit des Tempels in der heutigen Stadt Sanliurfa. Archäologen konnten dort eine steinzeitliche Siedlung nachweisen, die etwa zur gleichen Zeit wie die Tempel entstand.

Die Theorie: Die steinzeitlichen Menschen aus dieser Siedlung bauten ihr erstes Heiligtum als religiöse Pilgerstätte. Unterstützt wird diese Vorstellung durch Sklupturenfunde in Sanliurfa, die denen aus Göbekli Tepe extrem ähnlich und in etwa gleich alt sind.

Doch wieso einen so großen Tempel bauen, der auch noch entfernt von der Siedlung liegt?

Religion beendet die Steinzeit

Wissenschaftler haben aus den unterschiedlichen Funden eine revolutionäre Schlussfolgerung gezogen: Der Grund, warum der Mensch aus der Steinzeit trat, war nicht, weil sich die Menschen durch die Sesshaftigkeit besser versorgen konnten und dann eine Gesellschaft mit einer Religion entwickelten.

Ganz im Gegenteil, sagen manche Forscher: Die Erfindung der Religion führte nach dieser Theorie die Menschen aus der Steinzeit. Für ihren religiösen Kult begannen sie demnach, ihr gesellschaftliches Zusammenleben anders zu organisieren, was die Voraussetzungen für größere Zivilisationen schuf. Göbekli Tepe könnte der erste Ort der Welt gewesen sein, wo dies geschah.

Im Inneren der Cheops-Pyramide in Giseh haben Wissenschaftler einen riesigen, bislang unbekannten Raum gefunden.



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