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Einzelschicksale, Sozialpolitik und unpopuläre Randthemen - das Konzept hört sich nicht nach TV-Hit an. Aber die Erfolgsgeschichte der "Lindenstraße" war immer auch eine Geschichte des kritischen, engagierten öffentlich-rechtlichen Unterhaltungsfernsehens. 2020 ist Schluss, dann wird die Sendung eingestellt. Wir blicken zurück auf die Höhepunkte und Aufreger aus 33 Jahren TV-Geschichte. © teleschau - der mediendienst GmbH

Eine Perspektive, die wohl jeder kennt! Jeden Sonntag sagt dieser Blick auf München: Es ist wieder "Lindenstraßen-Zeit"! Die Serie spielt in der bayerischen Landeshauptstadt, gedreht wird jedoch in Köln. Der besondere Kick für alle Fans ...
... ist eine Besichtigung des WDR-Produktionsgeländes in Bocklemünd! Wer sich vorher anmeldet, kann samstags die Außenkulissen der 150 Meter langen "Lindenstraße" sowie der angrenzenden Kastanienstraße und Ulrike-Böss-Straße besichtigen. Dort stehen die Fassaden des griechischen Restaurants "Akropolis" oder des Kinocenters "Astor". Auch das Café Bayer von Gabi Zenker ist zu sehen.
8. Dezember 1985: Die "Lindenstraße" ging mit der Folge "Herzlich willkommen" auf Sendung. Im ersten Stock von Haus Lindenstraße Nr. 3 wohnen die Beimers, von links: Tochter Marion (Ina Bleiweiß), Mutter Helga (Marie-Luise Marjan), Vater Hans (Joachim Hermann Luger), Klausi (Moritz A. Sachs, vorn Mitte) und sein älterer Bruder Benny (Christian Kahrmann).
Wie alles begann: Vorweihnachtliche Hausmusik stand in der ersten Folge bei Familie Beimer auf dem Programm (von links: Moritz A. Sachs, Joachim H. Luger, Marie-Luise Marjan, Ina Bleiweiß, Christian Kahrmann). Doch das Idyll sollte trügerisch sein.
Im Jahr 1986 (hier Folge 59) häuften sich die Probleme mit den Teenagern Marion und Benny. Marion geht zunehmend eigene Wege (dass sie sich heimlich mit einem jungen Ausländer traf, war von Anfang an ein Thema!), und die Eltern müssen lernen, ihre Älteste ziehen zu lassen. Der aufsässige Benny avanciert im Laufe des Jahres vom Schulverweigerer zum "Öko-Rebellen" (von links: Joachim Luger, Ina Bleiweiß, Christian Kahrmann, Marie-Luise Marjan, Moritz A. Sachs).
Onkel Franz (Martin Rickelt, rechts) brachte das Thema Rechtsradikalismus in die "Lindenstraße". Er wühlte die Familie Beimer mächtig auf. Als er Nesthäkchen Klaus ein Luftgewehr in die Hand drückt, kommt es zu einem tragischen Unfall, bei dem ein Nachbar erblindet. Hans beschließt daraufhin, Onkel Franz zurück ins Altersheim zu bringen (Szene aus Folge 126).
Die Liebe gehört zum Leben dazu, und sie ist eben nicht berechenbar. Ein tiefer Blick in die Augen - und Hans (Joachim Hermann Luger) und Anna (Irene Fischer) wussten, dass sie zusammen sein möchten. 1988 war es um die beiden geschehen. Darauf wurde manch ein Schluck getrunken ...
Ein Mann im Gefühlschaos: Hans (Joachim Luger) entzieht sich immer mehr seiner Frau Helga. Schlaflos zieht es ihn in der Nacht auf die Straße, wo er Anna (Irene Fischer) begegnet, die ebenfalls keine Ruhe gefunden hat. Es kommt zu einem leidenschaftlichen Kuss zwischen den beiden (Folge 142)...
Es war das Gesprächsthema der späten 80er-Jahre unter den Fans der "Lindenstraße": Hans Beimer verlässt seine Helga! Und das auch noch für die jüngere Anna Ziegler (Irene Fischer). Von nun an galt er als Ehebrecher. "Die Zuschauer erlebten die traute Zweisamkeit von Hans und Helga ganze drei Jahre lang - dann kam der legendärste Seitensprung der deutschen Seriengeschichte", erinnert sich Schauspieler Luger. "Die einen konnten es nachvollziehen, die anderen wetterten Zeter und Mordio."
"Gauweiler & Co, das sind doch alles Faschisten!", schimpfte die "Lindenstraßen"-Bewohnerin Chris Barnsteg (auf dem Boden liegend) am 9. Oktober 1988 in der Serie - was Folgen für die Darstellerin Stefanie Mühle in der realen Welt hatte. Der bayerische CSU-Politiker Peter Gauweiler klagte wegen Beleidigung und übler Nachrede durch drei Instanzen. Erfolglos. Aber es sollten viele weitere Aufreger folgen. Kurz darauf wurde es aber erst einmal sehr traurig in der "Lindenstraße" ...
Bei einer Bluttransfusion infizierte sich Benno Zimmermann (Bernd Tauber) mit dem HI-Virus. Fortan hatte er nicht nur mit der Immunschwäche, sondern auch mit der gesellschaftlichen Ablehnung zu kämpfen: Der Schreiner verlor Job und Wohnung. Doch die Nachbarn in der Lindenstraße zeigten sich mit Ausnahme von Hausmeisterin Else Kling solidarisch - bis zum bitteren Ende. In der Folge "Der erste Schnee" (17. November 1988) stirbt Benno an den Folgen einer Lungenentzündung in den Armen seiner Frau Gabi (Andrea Spatzek).
Wirkliche Pionierarbeit leistete Serien-Schöpfer Hans W. Geißendörfer vor allem beim Thema Homosexualität. Am 25. März 1990 kommt es zum ersten schwulen Fernsehserien-Kuss zwischen Carsten Flöter (Georg Uecker, links) und Robert Engel (Martin Armknecht). "Wir haben klargemacht, dass Schwule auch liebenswerte Menschen sind und dass sie nicht ausgegrenzt gehören. Wir bauten eine Brücke, mit der wir hartgesottene Konservative dazu brachten, ihre Haltung zu überdenken", erinnert sich der Alt-68er.
Auch der erste Kuss von Iffi (Rebecca Siemoneit-Barum) und Klausi (Moritz A. Sachs) sorgte für helle Aufregung. Waren die Darsteller und Figuren damals (25. November 1990) nicht zu jung für so etwas? Rebecca Siemoneit-Barum erinnerte sich viele Jahre später: "Wir waren doch nur zwei zwölfjährige Kinder, die von nichts 'ne Ahnung hatten, außen rum standen lauter Erwachsene, die gesagt haben: 'Küsst euch auf den Mund!'" Schlimmer noch: "Moritz hatte vorher 'ne ganze Tüte Chips gegessen. Der erste Kuss meines Lebens stank also fürchterlich nach Paprikachips."
Für viele Fans der ersten Stunde ist das noch immer der bei Weitem größte "Lindenstraßen"-Skandal: die Trennung von Helga (Marie-Luise Marjan) und ihrem "Hansemann" (Joachim Hermann Luger) - und schließlich die Scheidung. Sie sorgte für einen kollektiven Aufschrei - und spaltete die weiblichen Fans laut Marie-Luise Marjan offenbar in zwei Lager:
"Die einen sind die etwas rundlicheren, mütterlichen Hausfrauen, die bei Autogrammstunden weinen und sagen: 'Ach, können Sie nicht doch wieder zusammenkommen?' Die anderen, so hagere, sportliche Frauen, sagten von Anfang an: 'Ach, lassen sie doch den dürren Hering. Sie sind doch attraktiv und kriegen ohne Weiteres einen Neuen!" Bis zuletzt fragten sich manche Fans der Serie, ob die beiden jemals wieder zusammenkommen?
Leicht war es nie für ihn: Hans findet keine neue Arbeitsstelle, und die Familie leidet unter großen Geldsorgen. Damit Hans wenigstens ein annehmbares Arbeitszeugnis erhält, kommt Anna heimlich Dabelsteins Aufforderung nach, sich mit ihm zu treffen. Der überlegene Dabelstein treibt ein böses Spiel mit der verzweifelten Anna. Am Ende schläft sie sogar mit ihm, um Hans einen Job zu verschaffen. Als Dabelstein im September 1993 einmal mehr zudringlich wird, wehrt sich Anna, Dabelstein stürzt eine Treppe hinunter und stirbt. Hans erfährt erst Monate später die Wahrheit (Folge 417) und das Paar stürzt in eine tiefe Ehekrise.
Notwehr! Mit einer Bratpfanne erschlägt die 13-jährige Lisa (Sontje Peplow) den Ex-Priester Matthias Steinbrück (Manfred Schwabe, Mitte oben). Zusammen mit ihrem Freund Olli Klatt (Willi Herren) legt sie den Toten auf die Bahngleise, damit er von einem Zug überrollt wird und alle glauben, Steinbrück habe Selbstmord begangen. Der Plan ging auf - die Folge vom 20. August 1995 bleibt Fans für immer als besonders brutal in Erinnerung.
Doppeltes Drama am 19. November 1995: Erst fällt die geplante Hochzeit von Helga und Erich in Berchtesgaden wegen eines heftigen Streits der beiden Brautleute ins Wasser, dann verunglückt auch noch der Reisebus mit den geladenen Gästen. Benny Beimer, gespielt von Christian Kahrmann, und Dieter Rantzow (Steffen Gräbner) lassen bei dem Unfall ihr Serienleben.
Der Schicksalsschlag sorgt für Trauer auch im Hause Beimer. Hans' und Helgas ältester Sohn Benny kommt bei dem Busunglück ums Leben. Nach der Beerdigung (Folge 521) bringen es Hans und auch Helga nicht über sich, dem Leichenschmaus im "Café Bayer" beizuwohnen (von links: Ina Bleiweiß, Joachim H. Luger, Marie-Luise Marjan, Moritz A. Sachs).
Der nächste große Aufreger folgte am 27. Juli 1997: Carsten (Georg Uecker, rechts) und Theo (David Wilms) sind sich einig: Sie wollen sich nicht nur das Jawort geben, sondern auch ein Statement liefern. Ihre "rosa Hochzeit" feiern sie bereits eine Woche nach der Verlobung im "Akropolis". Aber die Party wird mehrfach gestört: Erst wird Carstens teurer Anzug absichtlich beschmiert, und später kreuzen auch noch Onkel Franz und seine rechten Freunde auf.

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