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Freiburgs Trainer Christian Streich ärgert sich über die Anerkennung eines frühen Gegentors, dem ein klares Abseits vorausgegangen sein soll. Doch die Situation ist regeltechnisch kompliziert, und der Schiri-Chef des DFB widerspricht.

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Christian Streich war ziemlich sauer. "Tragisch ist, dass nach vier Minuten Stuttgarter Spieler im Abseits stehen und bewusst eingreifen, indem sie unsere Spieler wegblocken", sagte der Trainer des SC Freiburg nach dem Spiel seiner Mannschaft gegen den VfB Stuttgart (1:2).

"Wenn jemand aktiv eingreift, ist es Abseits", fügte er an. "Das weiß doch jeder. Dafür haben wir den Videobeweis doch. Es ist mir völlig rätselhaft, wie man das nicht sehen kann, es war nämlich eindeutig."

Streichs Kritik richtete sich weniger an Schiedsrichter Benjamin Brand als vielmehr an den Video-Assistenten Felix Brych. Dieser hatte keine Einwände gegen die Anerkennung des frühen Führungstreffers der Gäste durch Mario Gomez erhoben.

Der Torschütze selbst hatte sich zwar nicht im Abseits befunden, dafür aber mehrere seiner Mitspieler. Und diese sollen nach Ansicht des Coachs der Hausherren aktiv und regelwidrig wesentlich dazu beigetragen haben, dass der Treffer fallen konnte.

Was die Regeln zu Gomez' Tor sagen

Um die Frage zu beantworten, ob Streich Recht hat, ist ein Blick ins Regelwerk hilfreich. Dort heißt es in der Regel 11, dass ein Spieler für seine Abseitsstellung unter anderem dann bestraft wird, wenn er "aktiv am Spiel teilnimmt, indem er einen Gegner beeinflusst".

Ein solcher Fall liegt beispielsweise vor, wenn dieser Spieler "den Gegner angreift, um den Ball spielen zu können". Oder wenn er "eindeutig versucht, den Ball in seiner Nähe zu spielen", und dadurch einen Gegner beeinträchtigt. Oder wenn er "eindeutig aktiv wird und so klarerweise die Möglichkeit des Gegners beeinflusst, den Ball zu spielen".

Aber war einer dieser Fälle gegeben, nachdem Dennis Aogo die Kugel bei einem Freistoß aus dem Mittelfeld vor das Freiburger Tor geschlagen hatte und bevor Gomez sie erreichte und versenkte?

Hindert Gentner Petersen entscheidend?

Es ist schwierig, sich in der unübersichtlichen Situation im Strafraum, wo sich zahlreiche Spieler beider Teams auf engstem Raum tummelten, einen Überblick zu verschaffen. Da wurde, wie es in solchen Situationen ligaweit üblich ist, auf beiden Seiten geschoben, gedrückt und gedrängelt – deutlich bevor der Ball in Reichweite war.

Inmitten des Getümmels, so zeigt es eine Zeitlupe, kam es zu einem Zweikampf zwischen dem im Abseits befindlichen Christian Gentner und dem Freiburger Nils Petersen. Gentners vorrangiges Augenmerk galt dabei erkennbar nicht dem Ball. Sein Ziel war es, Petersen aufzuhalten.

Der Stuttgarter Erik Thommy versuchte, ebenfalls aus Abseitsposition, gleich für zwei Freiburger ein Hindernis zu bilden. Haben die beiden auf diese Weise "klarerweise die Möglichkeit des Gegners beeinflusst, den Ball zu spielen"?

Fröhlich: Gomez' Tor war regulär

Nein, legte sich Lutz Michael Fröhlich fest, der Leiter der DFB-Schiedsrichter-Kommission Elite.

Zum "Kicker" sagte er: "Bei der Freistoßflanke in den Freiburger Strafraum befinden sich zwar einige Stuttgarter Spieler in einer Abseitsposition, die sich allerdings nicht weiter zum Ball orientieren und sich auch mit keinem Gegner in einem Zweikampf um den Ball befinden."

Dafür werde der Ball "zu deutlich an den Torraum geflankt, sodass nur der Spieler Gomez als Empfänger der Flanke infrage kommt". Und der stand bei der Ballabgabe nicht im Abseits.

Aus diesen Gründen sei die Anerkennung des Tores "regeltechnisch akzeptabel und nicht zu beanstanden". Deshalb habe für den Video-Assistenten Felix Brych auch kein Anlass zur Intervention bestanden.

War das "Wegblocken" ein Foul?

Das ist nachvollziehbar. Zwar war es dank Gentners und Thommys Einsatz für Gomez vermutlich leichter, das Tor zu erzielen, doch ob die beiden Stuttgarter ihre Freiburger Gegenspieler entscheidend daran gehindert haben, an den Ball zu kommen, der schließlich in hohem Bogen über ihre Köpfe hinwegflog, ist nicht zweifelsfrei zu beurteilen.

Zumindest war die Situation nicht so eindeutig, dass Brych zwingend hätte eingreifen müssen. Was bleibt, ist die Frage: Handelte es sich bei dem "Wegblocken", von dem Christian Streich sprach, wenn schon nicht um ein strafbares Abseits, so doch um ein Foulspiel?

In Betracht kommt die Regel 12, in der es unter anderem heißt: "Behindern des Gegners liegt vor, wenn sich ein Spieler in den Weg eines Gegners stellt und ihn dadurch auflaufen lässt oder zum Abbremsen oder zu einer Richtungsänderung zwingt, wobei sich der Ball für beide Spieler außer Reichweite befindet."

Es gibt Klärungsbedarf

Zwar darf jeder Spieler seine Position auf dem Feld selbst bestimmen und dem Gegner auch im Weg stehen, heißt es in der Regel weiter. Er darf ihm jedoch nicht in den Weg treten.

Genau das hatten Thommy und vor allem Gentner allerdings getan. Bei Letzterem hätte man zudem auf ein Halten entscheiden können. Aber auch in dieser Hinsicht kann man verstehen, wenn der Video-Assistent nicht eingreift.

Schließlich ist dieses körperbetonte Blockieren des gegnerischen Laufwegs nach Freistößen in Tornähe und nach Eckstößen eine verbreitete Praxis von Verteidigern wie Stürmern, die meist weder moniert noch von den Schiedsrichtern geahndet wird.

Dem Sinn und Geist der Regeln entspricht das allerdings weniger. Eine offizielle Ansage, wie man sich die betreffende Regelauslegung vorstellt, könnte da zweckmäßig sein. Nicht zuletzt, um künftigen Ärger zu vermeiden.

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