Knapp eine Woche ist vergangen seitdem die Meldung durchsickerte, dass Jupp Heynckes die Nachfolge von Carlo Ancelotti als Coach des FC Bayern übernehmen wird. Seit Montag arbeitet die Trainer-Legende mit seinem Team um den enorm wichtigen Co-Trainer Peter Hermann wieder an der Säbener Straße.

Überall im und um den Verein herum ist ein deutliches Aufatmen zu spüren. Der Verein gewinnt Zeit eine wasserdichte, langfristige Lösung auf der Trainerposition zu finden und wohl kaum jemand zweifelt daran, dass der erfahrene Haudegen Heynckes die Reibereien und Missstimmungen rund um die Mannschaft befriedet.

Doch es geht für Heynckes auch um eine Reihe von fußballerischen Baustellen, die es zu schließen gilt. Und das möglichst schnell.

1. Positionsspiel verbessern

Bayern-Stürmer beendet Studium - dank interessanter Abschlussarbeit.


Das stilbildende Element der erfolgreichen Münchner Jahre zwischen 2010 und 2015 war das Positionsspiel. Angefangen beim starren Korsett mit eindeutigen Positionierungen unter Louis van Gaal, über einen etwas flexibleren Stil unter Heynckes und einem noch ausdifferenzierten Stil unter Taktikgenie Guardiola.

Die Münchner bewegten sich in ihren besten Phasen wie selbstverständlich in richtigen Räumen und Abständen, um den Gegner offensiv wie defensiv optimal zu bespielen. Die Grundlage dafür war intensives Training.

Unter Ancelotti litt diese Detailarbeit. Auf dem Feld war das zu merken. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren häufig viel zu groß. Ein Grund für die Konteranfälligkeit der Bayern in den letzten Wochen und einer von mehreren Gründen für die vorzeitige Trennung von Ancelotti.

Heynckes und sein Team müssen die klaren Strukturen im Positionsspiel wiederbeleben. Dass die erste Übung im Training mit Ball in dieser Woche an der Säbener Straße eine Passübung mit besonderem Augenmerk auf Passwinkel und die Besetzung von so genannten Halbräumen war, zeigt wie wichtig dieses Element sein wird.

Heynckes steht hier vor einer großen Aufgabe, denn viel Zeit Automatismen einzustudieren bleibt im Herbst mit vielen Spielen unter der Woche nicht.

2. Kombination im Zentrum finden

In der Triple-Saison gab es im Mittelfeldzentrum eine klare Aufteilung. Ein tiefer Spielmacher (Bastian Schweinsteiger), ein Abfangjäger (Javi Martinez) und davor ein Offensivallrounder wie Toni Kroos oder Thomas Müller. Eine perfekte Kombination, die sich in Stärken und Schwächen gut ergänzte.

In diesem Jahr ist die Auswahl im zentralen Mittelfeld, das das Herzstück einer jeden Ballbesitz-Mannschaft bildet, sehr groß. Mit Thiago, Rudy, Vidal, Martinez, Tolisso, James und Müller gibt es sieben Kandidaten für drei Positionen. Carlo Ancelotti probierte zuletzt alle denkbaren Varianten. Mit durchschnittlichem Erfolg.

Heynckes hat sich noch nicht festgelegt, ob er das 4-2-3-1 aus der Triple-Saison wiederbelebt oder wie Ancelotti stärker auf eine 4-3-3-Staffelung setzt.

Beispielsweise mit James als offensivstarkem Mittelfeldspieler neben zwei klassischen Zentrumsspielern. Heynckes muss hier schnell die richtige Spielerkombination finden.

3. David Alaba in die Spur bringen

DFB-Elf überragt, Bundesliga blamiert sich in Europa: Das steckt dahinter.


Die Leistungskurve des Österreichers ging jahrelang nur in eine Richtung: nach oben. Als Linksverteidiger: Weltklasse. Als Halbverteidiger in der Dreierkette unter Guardiola: Spektakulär. Seit eineinhalb Jahren häufen sich jedoch die Probleme.

Alaba hat immer mal wieder Aussetzer, hat offensiv wenig Einfluss und wirkt defensiv wie zuletzt gegen Paris Saint Germain sogar phasenweise überfordert. Hätte sich Konkurrent Juan Bernat nicht verletzt, wäre Alabas Stammplatz in Gefahr.

Der FC Bayern braucht einen starken David Alaba, der die stärksten Flügelstürmer der Welt verteidigt und gleichzeitig immer wieder eigene Akzente in der Offensive setzt.

Heynckes muss intensiv mit ihm arbeiten, damit er seine alte Form wieder findet.

4. Sinnlose Flanken abstellen

Zwei Spiele hat der FC Bayern in dieser Saison verloren. Gegen Hoffenheim (0:2) und gegen Paris (0:3).

Beide Male fand der FC Bayern keine Antwort auf einen Rückstand. 44 Flanken gegen Hoffenheim und 53 Flanken gegen Paris waren Ausdruck der fehlenden Ideen im Offensivspiel.

Auch beim 2:2 gegen die Hertha waren es beinahe 30 Flanken. Die Hälfte davon in der letzten halben Stunde als Bayern verzweifelt, aber wenig konstruktiv anrannte.

Heynckes muss diese unnötigen Flanken abstellen, andere Wege in den Strafraum etablieren - oder zumindest an der Strafraumbesetzung arbeiten.

5. Flexibler werden

Die Flexibilität im Bayern-Spiel war der Erfolgsgarant der Triple-Saison. Heynckes löste die starren Strukturen der Offensive sukzessive auf.

Robben tauchte links auf, Ribéry in der Mitte. Mal ging die Mannschaft nach Ballverlust engagiert ins Gegenpressing, mal wartete sie etwas defensiver auf ihre Chance. So wie gegen Barcelona im Champions League-Halbfinale.

"Auch Real Madrid hat zuletzt mal aus der Defensive agiert und auf Konter gespielt. Keine Mannschaft der Welt kann über 90 Minuten Pressing spielen. Wir müssen wieder eine Balance finden. Das muss ich der Mannschaft jetzt vermitteln." Das sagte Heynckes bei der Pressekonferenz am Anfang der Woche.

Es zeigt, dass Heynckes die Schwächen der Bayern-Mannschaft auch im Ruhestand kühl und präzise analysiert hat. Jetzt geht es darum diese Probleme schnellstmöglich anzupacken.

Jupp Heynckes ist wieder beim FC Bayern angekommen und alle freuen sich. Ein alter Bayern-Recke könnte zum großen Verlierer dieser hektischen Wochen werden: Willy Sagnol.


Comments

  1. Ulrike Höber

    Dieter Winter@ Warum das ganze als einzige Verzweiflungstat der Bayern sein soll verstehe ich abs. nicht....... - Heynckes ...genießt beim FC-Bayern Vertrauen und Respekt im allgemeinem, und verfügt bei der Mannschaft über die im Augenblick notwendige Autorität. Das er nicht die Zukunft darstellen kann, versteht sich von selbst. Er ist vielmehr der einzige, welcher die Mannschaft in kürzester Zeit wieder zu eine funktionierenden Einheit formen kann. Ob das für den Titel in der Liga reicht hängt auch von der Konkurrenz ab. Hinter Dortmund stehen immer noch Fragezeichen, Leipzig hat die typischen Probleme eines Aufsteigers, welcher schon im zweiten Jahr der Doppelbelastung ausgesetzt ist. Jedenfalls wünsche ich dem Jupp viel Erfolg. Viel schiefgehen kann hier eigentlich nicht mehr.

  2. Janis Lance

    Heynckes könnte gleichzeitig der Vater und Enkel einiger Spieler sein??! Na wenn er das kann mache ich mir gar keine sorgen mehr im Die Bayern.

  3. Dieter Winter

    Ich sehe das ganze als einzige Verzweiflungstat der Bayern!!!

  4. Rosemarie Rehm

    Wer hoch gelobt wird, fällt tief. Wehe (!) Jupp macht irgend einen Schnitzer und die Bayern bringen nicht das was man erwartet, ist Jupp gleich wieder weg von der Bildfläche. Sind wir doch ehrlich, die Spieler sind erwachsene Männer und Jupp könnte teilweise der Vater (und sogar Enkel) sein, da ist es für den Trainer bestimmt schwer, den richtigen Ton anzuschlagen. Trotzdem ich wünsche dem "Neuen Alten" ein gutes Händchen und viel Fingerspitzengefühl. Jupp machs gut!

  5. Peter Mueller

    @ Claus D. Breitenfeld # 74 Sorry, Sie hatten doch behauptet, dass Uwe Seeler damals nur für ein Kaffeeservice und eine Waschmaschine gespielt hat... Also schön bei der Wahrheit bleiben... @ andreas stephan # 75 es tut mir echt leid, wenn Sie sich selbst disqualifizieren, aber ich bin ehrlich mit Unbewaffneten macht mir auch eine Diskussion keinen Spaß.. ;-)

  6. Otto Normalverbraucher

    Man sollte den guten Jupp nicht überschätzen. In 33 Trainerjahren hat er 6, in Worten sechs relevante(!)(Meisterschaft, pokal, Champions Leageu Titel gewonnen, das triple mit den Bayern als Ausnahme eingerechnet. Na gut, mit Weltcup sieben. Aber auch der ist nicht so wichtig. Ausklammern muss man Intertotocup, Supercup und solche Scherze. Hervorragend Arbeit leistete er allerdings bei Vereinen, die niemals (mehr) Meister werden können, wie Bibao, Teneriffa, Schalke und Leverkusen... Es muss nicht immer ein Titel sein.

  7. Josef Berger

    @ Therese Feller Oh Herr wirf auch nur ein Gramm Hirn vom Himmel, du könntest es dringend gebrauchen.

  8. andreas stephan

    #73 ist schon einpaar Tage alt aber immer noch gut

  9. andreas stephan

    #72 Sorry sie können wohl nur bis zum Sport - Journalisten Denken ? Ist dann doch zu dumm mit ihnen weiter zu kommunizieren

  10. Claus D. Breitenfeld

    #60 - richtig lesern: "WIE" Seeler 'mal war . . . vereinstreu, bescheiden, kein Großkotz, ehrlich, zu seinem Wort stehend, hatte 'nen Arsch in der Hose (Sie evtl. auch, doch was für einen . . .?) nicht geldgierig, natürlich MIT Gehalt. Was kann ich dafür, sollten Sie für "lau" malochen?!

  11. *****

    Dieser Kommentar wurde gesperrt und wird deshalb nicht angezeigt.

  12. Peter Mueller

    @ Barbara Kienzle # 70 hatte den Kommentar so verstanden, dass der User ohne Listen weiß, dass es in der 1. und 2. Bundesliga 18 Vereine gibt. Nachdem es anscheinend sogar sein Job ist, darüber zu berichten, kann man sich leicht ausrechnen, dass mittlerweile Sport-Journalisten überhaupt keine Ahnung haben müssen... ;-)

  13. andreas stephan

    # 70 sonst würde ich wohl am Hungertuch nagen

  14. Barbara Kienzle

    # 66 - toll, ehrlich! Sie wissen von 36 Vereinen alles auswendig? Tabellenplatz - Siege - Unentschieden - Niederlagen - Punkte - Spieler - Trainer - usw.. Auch alles von der letzten Saison? Ohne jede Liste? Wahnsinn!

  15. Janis Lance

    Mimimi der Hoeneß ist ein Verbrecher und buhuuhuhu der hat den Staat betrogen. Wie hierzulande mit Steuerhinterziehung umgegangen wird ist lächerlich,er hat nachgezahlt, sogar Zeit im Knast verbracht und niemanden vergewaltigt, getötet oder verletzt, komm darüber hinweg!

  16. Gerald Wiegel

    #48 Mario Pfaffenseifer 1. Danke für die Gratulation! 2. Ein Präsident eines Bundesligavereins sollte schon ein einwandfreies großes"polizeiliches Führungszeugnis" haben! Dies hat er bekanntlich nicht! Schon wegen der Vorbildwirkung! Da fängt es schon an! Nicht wahr?

  17. Barbara Kienzle

    # 63 aber sicher - Sie haben gerade weitere Euros dazugelegt. Ansonsten bekommt man bei Ihrem Kommentar nur Augendrehen.

  18. andreas stephan

    ###54 schlecht, ich brauche keine Liste ist mein Job darüber zu Berichten und Tschüß

  19. Janis Lance

    In München sind es 18 Grad,anstrengen müssen die sich alle zu viel, das mützchen setzt jetzt wieder der liebe Opa auf und zum Frühstück gab's Weißwurst und Bier.

  20. Josef Berger

    @53 die kommen bestimmt noch Beu, Ankar usw. es gibt kein Thema zum FCB wo diese Herren oder solche wo sich hinter einem Frauen Vornamen verstecken ( Burkh...) nicht Ihre geistreichen Beiträge dazu geben. @52 Ein Armutszeugnis ist einzig alleine Ihr Beitrag. Auf der Tabelle landen alles klar super Grammatik wohl in die Baumschule gegangen.

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