Die finnischen Åland-Inseln sind herrlich unaufgeregt. Die "Inseln des Friedens" liegen in der Ostsee zwischen Stockholm und Turku. Wer Ruhe, Meer und Natur sucht, ist hier genau richtig.

Die Åland-Inseln, Moment, wozu gehören die nochmal? Die gut 6.700 Inseln mit ihren insgesamt 29.000 Bewohnern liegen in der Ostsee etwa mittig zwischen Finnland und Schweden.

Die Inseln gehören offiziell zu Finnland, sind aber weitestgehend autonom mit eigener Regierung in der Hauptstadt Mariehamn. Man spricht Schwedisch und zahlt mit Euro.

Die Hauptinsel Fasta Åland ist in einer Stunde gemütlich mit dem Auto durchquert, Höchstgeschwindigkeit auf den Landstraßen sind 70 Stundenkilometer, in Ausnahmefällen auch mal 90. Autobahnen oder Schnellstraßen? Fehlanzeige.

Warum auch hetzen - da entgeht einem nur die Schönheit der Ostseeinseln. Und das wäre sehr schade.

Für den Familienurlaub hält unsere Bloggerin einige Tipps parat.


Nation von Seefahrern

Wer mit dem Schiff in Mariehamn ankommt, beginnt die Entdeckungsreise am besten gleich neben den Terminals im Sjöfartsmuseum, dem Seefahrtsmuseum.

Åland zählt seit jeher zu den großen Segel- und Seefahrernationen, hier in der Hauptstadt kann man sich an einer Spezialschule zum Kapitän ausbilden lassen.

Von der langen Verbindung der Inseln in die ganze Welt erzählt das Museum, original Galionsfiguren und alte Seekisten zeugen von der Liebe zum Meer.

Das Museum ist besonders stolz auf seine echte Piratenflagge, eine von gerade mal zwei erhaltenen auf der Welt. Nebenan lässt sich normalerweise das Museumsschiff Pommern besichtigen, eine alte Viermastbark.

Das Schwesterschiff der Passat in Travemünde und der Viking in Göteborg wird derzeit aber restauriert und ist geschlossen.

Sjöfartsmuseum: täglich. 11-16 Uhr, Erwachsene 10 €, Kinder 6 €, www.sjofartsmuseum.ax/sv

Wechselhafte Geschichte

Åland hat eine bewegte Vergangenheit. Strategisch günstig in der Ostsee zwischen Schweden und Finnland gelegen, gehörte die heute weitgehend autonome Region Finnlands früher zeitweilig zu Schweden, zu Dänemark und Finnland und geriet in Folge des Großen Nordischen Krieges auch unter russische Besatzung.

Zu den historisch bedeutenden Gebäuden und Stätten gehört die Burg Kastelholm. Die mittelalterliche Burg aus dem Jahr 1388 stand einst gewissermaßen im Mittelpunkt des schwedischen Reichs.

Haupt- und Vorburg sind gut erhalten, die Ausstellung im Inneren ist auch für Kinder sehr nett gemacht.

Gleich hinter der Burg stehen Mühlen, alte Werkstätten, eine Schmiede und ein Backhaus. Jankarlsgården ist ein typisches nordisches Freilichtmuseum. Bei schönem Wetter und am Wochenende tummeln sich hier Familien, Ende Juni feiert man traditionell mit Tanz und Gesang Mittsommer.

Kastelholm: Eintritt 6 €, Kinder 4,50 €, www.kastelholm.ax/en

Jankarlsgården Eintritt frei, www2.visitaland.com/de/aktivitat/a1137346/jan_karlsgardens_friluftsmuseum_1137346/showdetails

Bomarsund: Eintritt frei, http://www.visitaland.com/de/articles/bomarsund/

Unsere Bloggerin weiß, wie man hier den Sommer genießt.


Die größte und vielleicht auch beeindruckendste historische Stätte der Inseln liegt einige Kilometer entfernt. Im Jahr 1830 errichtete das damalige Zarenreich Russland die Festung Bomarsund.

Obwohl nur noch wenige Fragmente der Außenmauer aus sechseckigen, rosaroten Steinen stehen, ist ihre riesige frühere Ausdehnung deutlich zu erkennen. Auch ein paar Kanonen sind erhalten, leer zeigen sie heute auf den Sund hinaus.

Wenige hundert Meter hinter den Ruinen einen Berg hinauf, leuchten oben rot die Ziegelsteine des Notviksturms. Der ehemalige Wachturm und Ausguck ist eine Augenweide. Zwischen den roten Ziegeln schimmert das Grün der Wälder.

Und die Ostsee erst! Sie wirft sich je nach Lichteinfall und Wetter in ein Gewand aus Grau über Seegrün bis zu leuchtendem Türkis. Vor der zerklüfteten Felswand gegenüber mit ihren Steingrau- und Rosatönen eine umwerfend schöne Komposition der Natur.

Fahrrad-Entdeckungstouren

Auf Ålands roten Landstraßen - ihre Farbe kommt vom roten Granit der Inseln, der für den Straßenbau verwendet wird - geht es beschaulich zu. Viele Autos gibt es hier ohnehin nicht. Perfekt zum Radfahren.

Besonders schön sind Touren am Wasser - und das ist ja allgegenwärtig. Über Brücken oder mit Personenfähren geht es von Insel zu Insel. Ein hübsches Ziel nahe Mariehamn ist das kleine Landcafé von Lotta Gustafsson auf der Insel Järsö, keine zehn Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Nach Kaffee und Kuchen im dem muckeligen Holzhaus mit der antiken Möblierung findet sich in Lottas Laden Stickstugan bestimmt etwas Gestricktes zum Mitnehmen.

Lottas Laden Stickstugan: http://home.aland.net/stickstugan/

Schwedens Hauptstadt ist für alle Skandinavien-Fans ein Muss.


Brauerei Stallhagen

"Drick minde, drick bättere" - ein sympathisches Motto, das sich die Brauerei Stallhagen da auf die Fahnen geschrieben hat: weniger, aber dafür besser trinken. Ålands bekannte Mikrobrauerei haben vor 13 Jahren eine Handvoll Bierfreunde gegründet.

Nachdem ein deutscher Bierbraumeister ihnen grundlegende Braukenntnisse beigebracht hatte, begannen sie mit natürlichen Zutaten zu experimentieren.

So gibt es heute nicht nur Ale und Lager, sondern auch Weizen und Bier aromatisiert mit Heidelbeeren, Honig, Himbeeren oder sogar Kürbis - das Angebot wechselt je nach Jahreszeit.

Nur natürliche Zutaten kommen in die Braukessel, Zusatzstoffe und künstliche Aromen sind tabu. Kassenschlager ist das Shipwreck-Bier "1843", das edel in einer grünen Flasche mit Champagnerkorken daherkommt.

Christian Ekström, einer der Brauer und Pub-Betreiber, entdeckte im Sommer 2010 bei einem Tauchgang in einem Schiffswrack 145 Flaschen uralten Champagners. Der erlangte bald als "ältester Champagner der Welt" Berühmtheit.

Außerdem fand man fünf Flaschen Bier, deren Hefe ein Labor rekonstruieren konnte. Heute wird damit das Shipwreck-Bier gebraut. Im angeschlossenen Pub Stallhagen gibt´s täglich drei wechselnde Tagesgerichte, sehr zu empfehlen!

Brauerei Stallhagen: www.stallhagen.com

Alter Lotsenstützpunkt Kobba Klintar

Schärenidylle wie aus dem Bilderbuch: Der alte Lotsenstützpunkt Kobba Klintar mit seinem weißen Lotsenhäuschen ist ein beliebtes Fotomotiv. Wer mit dem Schiff nach Mariehamn kommt, fährt kurz vor dem Anlegen direkt an der kleinen Insel vorbei.

Dort gibt es ein Café und das Lotsenhaus ist zu besichtigen. Zu Fuß spaziert man auf die kleine Nachbarinsel, Kunst gucken: Hier steht die hölzerne Figur eines Mannes, der das weiße Lotsenhäuschen malt.

Kobba Klintar: http://www.visitaland.com/de/articles/kobbaklintar/

Info Åland: www.visitaland.com

Anreise von Stockholm: Es gibt verschiedene Schiffsverbindungen, z.B. www.vikingline.de

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Åland-Inseln: Ruhe, Meer und Natur zwischen Finnland und Schweden

Die Rund 6.700 Aland-Inseln bieten Erholungsatmosphäre und wunderschöne Landschaften.

Anke Benstem (Bild) gehört wie Silke Haas, Sandra Malt, Dörte Saße und Iris Schaper zum Bloggerteam Reisefeder. Die Journalistinnen und Reisebuchautorinnen schreiben über Reisen in alle Welt. Der Schwerpunkt liegt auf der Nachhaltigkeit.




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