Vor allem auf innerdeutschen Flügen sind nach der Insolvenz von Air Berlin die Ticketpreise gestiegen. Mehr Konkurrenz und damit auch wieder sinkende Tarife sind wohl erst 2018 wieder zu erwarten.

Nach der Air-Berlin-Pleite klagt die deutsche Wirtschaft über drastisch gestiegene Kosten für Geschäftsreisen. Flugtickets seien nach den Beobachtungen der Unternehmen in der Spitze um bis zu 50 Prozent teurer geworden, berichtete der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) am Dienstag in Frankfurt.

Der von Airline-Großkunden getragene VDR stützt damit Berechnungen des Internet-Portals "Mydealz", über die das "Handelsblatt" berichtet hatte. Demnach sind nach der Aufgabe des Linienverkehrs der Air Berlin auf Kurzstrecken die Preise zwischen 26 Prozent an Werktagen und knapp 39 Prozent an Wochenenden gestiegen - was natürlich auch Privatkunden trifft.

Experten hatten den Anstieg erwartet, weil nun auf vielen Strecken insbesondere aus Berlin und Düsseldorf ein wichtiger Wettbewerber fehlt. Vor allem auf den innerdeutschen Verbindungen ist die Lufthansa derzeit weitgehend allein unterwegs und kann die Nachfrage trotz des vereinzelten Einsatzes von Großraumflugzeugen wie der Boeing 747 kaum abdecken.

Auf der Mittelstrecke sieht es etwas besser aus, weil hier auch Billigflieger und die jeweiligen nationalen Fluggesellschaften der Zielländer im Rennen sind.

Preise steigen durch mangelndes Angebot

Die höheren Preise im Lufthansa-Konzern seien allein auf das verkleinerte Angebot zurückzuführen, erklärt das Unternehmen. "Wir haben unsere Preisstruktur nicht verändert", betont eine Sprecherin.

Aber: Die Jets sind derzeit viel schneller ausgebucht, das nahezu vollautomatische Buchungssystem reizt die insgesamt 26 Preisklassen zügig aus und bittet die Kunden entsprechend zur Kasse.

Schon im Oktober, als viele Passagiere bereits die dann am 27. Oktober abgewickelte Air Berlin gemieden haben, kletterte die Auslastung im Lufthansa-Konzern auf Rekordwerte.

Die Preisbildung funktioniert wie bei nahezu allen Airlines: Ist der Flugtermin noch weit entfernt und sind erst wenige Plätze verkauft, werden die Tickets günstig angeboten. Die letzten Plätze kurz vor Abflug werden hingegen nur noch zu Höchstpreisen abgegeben.

Immer häufiger zeigen die Systeme der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings speziell für Inlandsflüge zu günstigen Tageszeiten nur noch den Status "ausverkauft" an.

"Es leiden insbesondere die Unternehmen, die auf Flugverbindungen von dezentralen Airports abseits der großen Hubs angewiesen sind. Deren Situation hat sich in Bezug auf Ticket-Verfügbarkeit, Frequenz und Preis dramatisch verschlechtert", klagt VDR-Präsidiumsmitglied Christoph Carnier.

Seit gut zwei Wochen sind deutlich weniger Flieger am Himmel als vor der Air-Berlin-Pleite. Rund 80 der 140 rot-weißen Flugzeuge stehen am Boden, laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlen jeden Tag rund 60.000 Sitzplätze.

Warten auf EU-Entscheidung

Abhilfe sei erst nach einer positiven Kartell-Entscheidung der EU-Kommission zu erwarten.

1000 zusätzliche Flüge pro Monat soll dann allein die Tochter Eurowings anbieten, sofern sie denn bis dahin ausreichend Crews angeworben hat. Mit einer Entscheidung aus Brüssel noch in diesem Jahr wird es allerdings nur etwas, wenn die Kommission auf eine vertiefte Prüfung des Air-Berlin-Deals verzichtet.

Auch kleine Anbieter wie Germania, Condor, Sundair oder die griechische Aegean stocken ihre Flotten auf. Der zweite Air-Berlin-Käufer Easyjet will nach der Brüsseler Entscheidung nach und nach die erworbenen Kapazitäten in den Markt bringen.

Wegen der komplexen Formalien bei der Übernahme der Flugzeuge und des Personals wollen sich die Briten dabei bis September 2018 Zeit nehmen.

Mit der Gewerkschaft Verdi verabredeten sie dazu sogar Übergangsgelder für das Personal der Air Berlin, das noch länger auf seinen Einsatz unter neuer Flagge warten muss.

Auf welchen Strecken und zu welchen Terminen die Londoner die bis zu 25 Jets einsetzen wollen, haben sie bislang nicht kommuniziert. Erwartet wird aber schon aus kartellrechtlichen Gründen ein Angebot auf den aktuell so überbuchten innerdeutschen Rennstrecken wie Frankfurt-Berlin, Berlin-München oder Düsseldorf-München.

Ausgerechnet auf diesen Verbindungen hat nun auch die Lufthansa-Tochter Eurowings neue Angebote ab 2018 angekündigt. Das kann Spielmaterial für die Kartellprüfung sein oder tatsächlich die Hoffnung auf wieder sinkende Ticketpreise schüren.

VDR-Mann Carnier wünscht sich daher eine schnelle Entscheidung: "Die Europäische Kommission und die zuständigen Kartellbehörden sollten den Antrag der Lufthansa auf Teilübernahme der Air Berlin im Sinne des Wettbewerbs Strecke für Strecke sehr genau prüfen - ohne jedoch das Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen."

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© dpa

Comments

  1. Martina Koch

    Meine Güte, früher konnte auch nicht jeder fliegen. Aber da kostete auch jedes Ticket das Gleiche. Es gibt auch noch die Bahn, Fernbusse und Mitfahrzentralen. Es wird ja gerade so getan, als müsste nun alle aufs Reisen verzichten. Flugbenzin sollte endlich besteuert werden, dann hat der Staat vielleicht endlich mal Geld für unsere Kinder. Bildung steht bei der Regierung immer noch nicht hoch im Kurs.

  2. Stefan Sonneborn

    Ist doch gut. Die Preise für's Fliegen waren in den letzten Jahren viel zu gering. Besser wäre noch, wenn - nach dem Verursacherprinzip - das Geld dort landen würde wo das Fliegen geschadet hat. Z.B. in Investitionen zur CO2-Reduktion, in Klimaforschung etc.

  3. Nikolaus Mitko

    Innerdeutsche Flüge sind allgemein überflüssig. Von Innenstadt zu Innenstadt geht es mit der Bahn überall schneller. Aber das Fliegen macht einen "wichtiger". Und wenn das Fliegen billiger ist als die Bahn, stimmt mit der Preisbildung irgendwas nicht mehr!

  4. Philipp Gehring

    echt unverschämt

  5. Ralf Langermann

    Die Scheich's , Investoren und nicht zuletzt China werden schon step by step den Ausverkauf Deutschland's vorantreiben...keine Bange....es hat schon lange begonnen. Es haben sogar schon Chef's von BMW Blaupausen in China hinterlassen...nur damit sie dort bauen und Auto's verkaufen dürfen. Tja...die dummen Deutschen...lassen sich alles gefallen. und...Geld verdirbt bekanntlich den Charakter.

  6. *****

    Dieser Kommentar wurde gesperrt und wird deshalb nicht angezeigt.

  7. Ralf Langermann

    Wer / was annähernd eine Monopol-Stellung erreicht, kann nun mal die Preise diktieren.. Der Deal / Plan existierte ja schon seit 7 Jahren. Wie dumm muss man sein ( bei Air-Berlin ) sich einen sog. "Ex-Lufthansa-Chef" in die Führungsetage zu holen... Dumme Menschen gibt es nun mal überall... die nicht einmal die feindliche Übernahme bemerkt haben wollen. Haben sie aber.... sich nochmal die Taschen vollstopfen....und nach mir die Sindflut. ;-((

  8. Thomas Schumacher

    @Siegfried Schmidt - die Bundesregierung hat es doch abgesegnet -> wieso warten Sie auf das Kartellamt??? Und natürlich hat die LH sich den Vorteil schon VOR dem Kauf ausgerechnet . . .

  9. Yvonne Pfeifer

    Steigen die Flugpreise freut sich die Bahn - recht so.

  10. Thomas Richter

    "...klagt die deutsche Wirtschaft über drastisch gestiegene Kosten..." Das war längst überfällig, daß Schluß ist mit Dumpingpreisen, früher waren Flüge auch deutlich teuerer. Nebenbei hat es vielleicht auch auch umwelttechnischer Sicher Vorteile, wenn "die Wirtschaft" wieder mehr nachdenkt, welche Flüge wirklich sein müssen...

  11. Siegfried Schmidt

    Der "Geier" Lufthansa hat seine Brocken bekommen und kann sein Monopol nutzen ! Wo ist das Kartellamt ???

  12. Horst Fugger

    Das war doch klar, nachdem man der Lufthansa die attraktiven Teile der Konkursmasse von Air Berlin auf dem Silbertablett serviert hatte. Keine Konkurrenz mehr, daher Freiheit bei der Preisgestaltung. Das ist der Markt. Offenbar war es von politischer Seite so gewollt.

  13. Detlev Haufe

    Not und Elend der Beschäftigten ist der Schmierstoff des Gewinns bei der Lufthansa ... und der Manager

  14. Thomas Frei

    Das war doch klar und meiner Meinung nach künstlich herbeigeführt, von langer Hand geplant. Den Managern großer Konzerne vertraue ich keine 5 Cent an. Aber der Kunde hat es in der Hand. Deshalb solche Firmen meiden wie der Teufel das Weihwasser, dann hat das bald ein Ende.

  15. Klaus Schneider

    Sowas wird auch Monopoly genannt. Immerhin kann der Reisende noch auf andere Verkehrstraeger zurueckgreifen. Es steht nicht geschrieben, dass die Lufthansa benutzt werden muss.

  16. alfred zweistein

    die Preise für Kerosin müssen endlich steigen und vorallem versteuert werden. Warum muss Herr und Frau Saufi zum Ballermann für 50 Euro fliegen?? Alle Innerdeutschen Strecken unter 500 Kilometer sofort gesetzlich unterbinden. Unterstützt die Bahn. Das wäre eine sinnvolle Massnahme der Grünen eigentlich deren Metier

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