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"Stürzt Trump die Welt ins Chaos?" wollte Sandra Maischberger von ihren Gästen wissen. Während Oskar Lafontaine sagte, seine Unberechenbarkeit mache ihm Angst, sah der Journalist Alan Posener die größere Gefahr in Wladimir Putin.

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"Manchmal ist Konfrontation die einzige Wahl", schrieb Donald Trump in seinem Bestseller "The Art of the Deal" aus dem Jahr 1987. Dieses Prinzip aus seiner Zeit als New Yorker Geschäftsmann wendet er auch als Präsident der Vereinigten Staaten an.

Wirtschaftspolitisch gegenüber der EU und China, aber auch mit harten Worten gegenüber Nordkorea und dem Iran. Den Nordkoreanern drohte er zwischenzeitlich offen mit einem Militärschlag, das Atomabkommen mit dem Iran bezeichnete er als "schlechtesten Deal aller Zeiten."

Zuletzt löste Trumps Ja zur Verlegung der israelischen US-Botschaft nach Jerusalem massive Unruhen im Gazastreifen aus. "Stürzt Trump die Welt ins Chaos?" lautete daher die Frage bei Sandra Maischberger.

Hat Trump mit seiner Politik Erfolg?

Schnell wurde klar: So einfach lässt sich das nicht beantworten. Der "Welt"-Journalist Alan Posener wies darauf hin, dass es die Demonstrationen am Tag der Botschaftsverlegung sowieso gegeben hätte – wegen des Gedenkens der Palästinenser an ihre Vertreibung bei der Gründung Israels.

Die Auslandskorrespondentin Antonia Rados sagte, die Aufkündigung des Atomdeals mit dem Iran mache die Situation "nicht unbedingt" schlechter.

Bliebe noch Nordkorea, wo es auch dank Trumps rüpelhafter Diplomatie zur Entspannung zwischen Nord- und Südkorea gekommen ist.

Hat der US-Präsident mit seiner Politik der Stärke also doch Erfolg?

Lafontaine: "Das macht mir Angst"

Oskar Lafontaine, saarländischer Fraktionschef der Linken, widersprach vehement. "Diese Entscheidung hat den Frieden nicht befördert", sagte er zur Verlegung der US-Botschaft. Überhaupt erkannte der frühere SPD-Kanzlerkandidat "keine langen Linien" in der Trumpschen Außenpolitik, sondern nur Unberechenbarkeit. "Das macht mir Angst", gab Lafontaine zu.

Die WDR-Korrespondentin Sabrina Fritz sah in der Unberechenbarkeit nicht unbedingt etwas Schlechtes. Damit könne der US-Präsident zumindest kurzfristig erfolgreich sein.

Eine große Konstante stellte sie aber auch fest: Trumps Außenpolitik ist darauf ausgerichtet, amerikanischen Firmen einen Nutzen zu verschaffen. So wolle er mit dem Ausstieg aus dem Iran-Abkommen und der Neuauflage der Sanktion der europäischen Wirtschaft schaden, die wieder vermehrt im Iran investiert hatte. Für Fritz "ein fast schon genialer Schachzug."

Viele Menschen machen in ihren Augen den Fehler, Trump zu unterschätzen.

"Mit dieser Gesinnung bei AfD willkommen"

Dann setzte Lafontaine zu einem seiner berüchtigten Vorträge über die US-Außenpolitik an. Die Quintessenz: Überall, wo es Öl gibt, führen die USA mit ihrem gigantischen Militärapparat Kriege. Posener konterte scharf: "Ich sage nur, dass sie mit dieser Gesinnung bei der AfD sehr willkommen wären."

Doch Lafontaine blieb angesichts der Provokation cool. Lächelnd verwies er auf Ölkriege der USA, die lange vor der Gründung der AfD stattgefunden haben.

Als ihm CDU-Mann Jürgen Hardt die Stärke des russischen Militärs vorrechnen wollte, sagte die Gastgeberin: "Bevor Sie jetzt Panzer zählen, schwenke ich nach links."

Wer hat den Größeren?

Im letzten Teil der Sendung wurde es dann fast schlüpfrig. Die Rede war von Atomknöpfen, großen Atomknöpfen und noch größeren Atomknöpfen. Eine Anspielung auf einen Schlagabtausch zwischen Trump und Kim Jong-un, der viele Beobachter an den Genitalvergleich zweier Pubertierender erinnerte. Nach dem Motto: Wer hat den Größeren?

Posener deutete Kims Einlenken im Streit um das Atom- und Raketenprogramm so, dass ihm Trumps Gehabe offenbar imponiert habe. Vor ein paar Jahren wäre eine Annäherung zwischen Nordkorea und Südkorea undenkbar gewesen.

Eine sicherere Welt dank Trump?

Ist die Welt nun sicherer oder unsicherer geworden unter dem US-Präsidenten? Antonia Rados tendierte zu Letzterem. "Er kann jeden Morgen einen Tweet absetzen, der die Welt ins Chaos stürzt."

CDU-Mann Hardt stellte klar, dass Trump trotz aller EU- und Nato-skeptischer Aussagen mehr Soldaten in Europa stationiert habe als Obama.

Für Alan Posener ist Trump sowieso das geringere Übel. Als "Gegner Europas und Gegner der Freiheit" bezeichnete er den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Manchmal ist Konfrontation die einzige Wahl".

Der Satz aus Trumps Buch könnte auch aus Putins Feder stammen.

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