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Maybrit Illner will mit ihren Gästen die These diskutieren, die kommende Bundesregierung vertrete vor allem die Interessen von Besserverdienern. Ein Wirtschaftsforscher warnt vor den Folgen der Digitalisierung. Die wichtigste Botschaft gibt es erst zum Schluss.

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Wer am Donnerstagabend die Sendung "Maybrit Illner" gesehen hat, müsste meinen, unser Land blicke in eine besorgniserregende Zukunft.

Die ZDF-Moderatorin möchte mit ihren Gästen das Thema diskutieren: "Koalition nur für Eliten - wie sozial wird Jamaika?"

Damit geht sie die These an, dass von der kommenden Bundesregierung aus CDU/CSU, FDP und Grünen vor allem die Besserverdiener profitieren - und die Arbeitnehmer mit Niedriglöhnen auf der Strecke bleiben.

Digitalisierung beherrschendes Thema

Schnell geht es, wie so oft in diesen Monaten, vor allem um das Thema Digitalisierung.

Samt dem vermeintlich allgemeingültigen Eindruck, Deutschland sei hinten dran und müsse seine Wirtschaft besser auf die neuen Herausforderungen vorbereiten.

Das ist nun keine neue Erkenntnis. Auch bei Illner gibt es keine greifbaren Lösungen der Politik. Dafür aber wohl eine umso wichtigere Beobachtung für die kommenden Monate.

Was bei "Maischberger" diskutiert wird, grenzt an Verschwörungstheorie.


Und zwar, wie schwer es unter einer Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen werden dürfte, Deutschland auf besagte Digitalisierung vorzubereiten.

FDP und Grüne liegen weit auseinander

Denn: Zu weit auseinander liegen die Vorstellungen von FDP und Grünen. Da ist der kritische Beobachter schon erleichtert, sollte absehbar überhaupt eine Bundesregierung gebildet werden.

"Bei uns gehen Unternehmen kaputt. Leute müssen sich drauf einstellen, dass ihr Job, den sie heute haben, in drei, vier Jahre nicht mehr derselbe sein wird", meinte FDP-Vize Wolfgang Kubicki mit eindringlichem Tonfall und verwies nicht nur auf die Stahlindustrie.

"Wir werden uns von der tradierten Arbeitswelt verabschieden müssen. Es wird auf Ergebnisse ankommen und nicht auf Arbeitszeiten", sagte er.

"Bei Bankern, bei Versicherungsleuten, in den Medien und in der Wissenschaft. Wir müssen ihnen sagen: Wir bereiten Euch drauf vor."

Jürgen Trittin und Wolfgang Kubicki reden aneinander vorbei

Die Liberalen fordern also, wie in ihrem Wahlprogramm angekündigt, viel Flexibilität und neue Beschäftigungsmodelle auf dem Arbeitsmarkt.

Die Grünen denken da, folgt man Jürgen Trittin, anders, konventioneller, geradezu konservativ.

"Jeder muss ein Recht haben, aus der Teilzeit in die Vollzeit zurückzukehren", meinte der ehemalige Bundesminister und fragte: "Warum gibt es nur noch befristete Jobs? Sachgrundlose Befristungen von Arbeitnehmern müssen beendet werden."

Das ist tatsächlich ein sozialer Ansatz, der aber so gar nicht in die Denkmodelle der Liberalen passt. Und auch nicht zur Union.

Beim Thema Pflegenotstand: "Hart aber fair"-Moderator leistet sich peinlichen Schnitzer.


Solch unvereinbare Positionen sollen unser Land also in die kommende Legislaturperiode führen? Skepsis beschleicht einen.

Wirtschaftsforscher warnt deutsche Wirtschaft

"Das passt ins Bild", warnt schließlich Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einem drohenden Abstieg der deutschen Wirtschaft, und davor, dass es Verlierer der Digitalisierung geben wird.

"Die Industrie wird an Bedeutung verlieren. Es gibt immer weniger Hardware, Sachen, die man anfassen kann. Ein Automobil wird künftig zu 50, 60, 70 Prozent aus Software bestehen. Die Unternehmen haben Riesen-Überschüsse, investieren aber viel zu wenig in Deutschland, weil die Politik nicht den Rahmen vorgibt", sagte der Wirtschaftsforscher.

Neue Bundesregierung nicht in diesem Jahr?

Und weiter: "Es gibt eine ganz schlechte digitale Infrastruktur, in einigen Bereichen Fachkräftemangel. Es gibt die Gefahr, dass die Wirtschaft nicht den Wohlstand halten kann.

Deutschland ist ein Opfer seines Erfolges geworden. Die zentrale Herausforderung für die kommende Bundesregierung wird sein, eine von Industrie und Export geleitete Wirtschaft an diese Digitalisierung anzupassen."

Eine solche Regierung muss es aber erst einmal geben. Ab Mittwoch treffen sich die Parteispitzen zu Sondierungsgesprächen.

Die wichtigste Botschaft lieferte die Sendung von Illner hierzu an ihrem Ende, um 23.18 Uhr.

Illner konfrontierte Kubicki mit der These, zu Weihnachten stünde die neue Bundesregierung.

"Das halte ich für ambitioniert", antwortete der FDP-Mann. "Ich bin mir sicher, dass das nicht der Fall sein wird."

Dabei sollte eigentlich vor allem wegen der Digitalisierung keine Zeit mehr verloren werden.

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