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Daphne Caruana Galizia veröffentlicht am Montagnachmittag ihren letzten Artikel über Korruption - Minuten später ist sie tot. Eine Bombe zerfetzte den Peugeot, in dem sie saß. Ihr Beruf wurde ihr zum Verhängnis. Wer war die maltesische Journalistin und wen machte sie sich zum Feind?

Es ist ein trauriger Tag für die Familie von Daphne Caruana Galizia. Es ist ein trauriger Tag für den Journalismus und die Meinungsfreiheit: Am Montagnachmittag explodierte ein Auto in dem Ort Bidnija auf Malta. Am Steuer des Peugeot 108 saß Polizeiangaben zufolge die Journalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia.

Die Journalistin Daphne Capuana Galizia wurde am 16. Oktober 2017 umgebracht.

Bombe offenbar ferngezündet

Die Bombe detonierte gegen 15 Uhr. Nach neuesten Erkenntnissen soll sie sich nicht im Auto befunden haben und mittels Fernbedienung gezündet worden sein. Das berichtet der "Malta Independent".

Die Wucht der Explosion war so heftig, dass das Auto in mehrere Teile zerbarst. Ein Video und Fotos zeigen den zerfetzten Peugeot in einem Feld, nur wenige Meter von der Detonationsstelle entfernt.Galizias Leiche sei stark verbrannt gewesen und wurde nach Polizeiangaben außerhalb des Wagens gefunden.

"Bloggende Furie"

Der Anschlag scheint im Zusammenhang mit der journalistischen Arbeit der 53-Jährigen zu stehen. Galizia berichtete kritisch über Regierungsmitglieder Maltas, EU-Kommissare, Richter.

Korruption, Vetternwirtschaft, Drogendeals - das waren ihre Themen. Dass ihr Fokus darauf lag, sei kein Zufall gewesen, wie sie "Politico" gegenüber sagte. "Ich kann es nicht ertragen, dass sich Menschen derart selbst belohnen", so Galizia.

Das Magazin listete die Journalistin für dieses Jahr unter den 28 einflussreichsten Personen der Welt auf. Sie sei eine "bloggende Furie", die einen Kreuzzug gegen Intransparenz und Korruption in ihrem Land führte.

Kein Skandal schien zu groß, keiner zu klein, um das Interesse der Top-Journalistin zu wecken. Unerbittlich verfolgte die 53-Jährige ihre Arbeit.

Galizia berichtete über Panama Papers

Für Aufsehen über Maltas Grenzen hinweg sorgte sie mit ihrem Berichten über die sogenannten Panama Papers 2016.

Galizia veröffentlichte unter anderem Artikel über eine Offshore-Firma, die der Frau von Regierungschef Joseph Muscat gehören soll. Muscat hatte diese Darstellung als Lüge bezeichnet.

Die Berichterstattung über die Korruptionsvorwürfe, die in die Amtszeit Muscats fallen, hatte in der europäischen Union Anlass zur Besorgnis gegeben. Darüber berichtete unter anderem "The Guardian".

Die promovierte Archäologin startete ihre journalistische Karriere in den 1980er Jahren. Sie arbeitete bei der "Sunday Times of Malta". Später schrieb sie für den "Malta Independent" und als Kolumnistin für "The Times".

2008 rief Galizia ihren Blog "Running Commentary" ins Leben, den zeitweise etwa 400.000 Menschen lesen. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl Maltas.

"Nur Gauner"

Etwa eine halbe Stunde vor ihrem Tod, um 14:35 Uhr, veröffentlichte die Journalistin einen Artikel über Korruption in der Regierung. Dabei ging es um Zeugenaussagen hochrangiger Politiker wie den früheren Oppositionsführer Simon Busuttil und den Stabschef des Premierministers, Keith Schembri. "Wo man nur hinschaut, sieht man Gauner. Die Lage ist desolat", schrieb Galizia.

Ein weiterer Artikel der Journalistin berichtet über einen illegalen Zoo. Der Betreiber soll ein Freund des Premierministers sein. Andere Berichte der Journalistin beleuchten Drogenhandel, Verschwendungssucht und Frauenrechte. Einige Artikel zielen direkt gegen Politiker wie den Oppositionsführer Adrian Delia. Galizia berichtete zudem über Maltas Grenzen hinweg – etwa über die Wahl in Österreich und den Rechtsruck des Landes.

Durch ihre schonungslose, extrem kritische Berichterstattung hat sich Galizia viele Feinde gemacht. Wer für ihren Tod verantwortlich ist, soll jetzt mithilfe des FBIs geklärt werden, berichten maltesische Medien.

Familie lehnt Ermittlerin ab

Dass der Fall nicht einfach zu klären ist, zeigt die verzwickte Lage. Galizia hatte sich auch mit der Justiz angelegt.

"Daphne Caruana Galizia war eine wahrhaft investigative Journalistin. Sie scheute sich nicht vor der Macht in Maltas politischer, geschäftlicher und krimineller Welt", sagte der stellvertretende Exekutivdirektor des Komitees für die Projektjournalisten Robert Mahoney.

Sie habe die Behörden untersucht, die nun ihre Mörder finden sollen. Deshalb müsse die Aufklärung des Falles über jeden Zweifel erhaben sein.

Dem trägt Richterin Scerri Herrera nun Rechnung. Sie hatte zunächst die Ermittlungen eingeleitet, distanziert sich nun aber von dem Fall, berichtet "Malta Today" online.

Herrera steht in einem möglichen Interessenskonflikt. Sie habe die Journalistin wegen Verleumdung vor Gericht gebracht. Diese wiederum habe über Herrera mehrfach kritisch berichtet. Die Richterin war eine der ersten, über die die Journalistin auf ihrem Blog schrieb.

Galizias Ehemann hatte zuvor einen Antrag gegen Herrera als Ermittlerin eingereicht. "Es ist nicht richtig, dass Scerri Herrera in Anbetracht des eklatanten Interessenkonflikts, die Untersuchung als Pflichtrichterin führt." Man habe die Befürchtung, dass dies die Untersuchung beeinträchtigen kann. "Wir haben kein Vertrauen in Scerri Herrera."

Sohn prangert Behörden an

Der Mord an Galizia macht Angst. Angst vor weiteren Attentaten auf Journalistinnen und Journalisten, die eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung schwerwiegender Vorwürfe zu Geldwäsche und Korruption spielen. Auch Matthew Caruana Galizia, der Sohn der 53-Jährigen, arbeitet als Journalist. Auch er ist ein kontroverser Kritiker des Politbetriebes auf Malta.

Wie seine Mutter wirkte er an den Veröffentlichungen über die Panama Papers mit. Er ist Mitglied des International Consortium of Investigative Journalists.

Nach dem Tod seiner Mutter prangert er die Behörden an. "Einige Stunden später, während dieser Clown von Premierminister ein Statement über eine Journalistin abgibt, die er mehr als ein Jahrzehnt dämonisiert und schikaniert hat, postet einer der Polizisten, der den Mord untersuchen soll (…) auf Facebook: 'Jeder bekommt, was er verdient, Kuhmist. Fühl mich glücklich :)'."

Es sei nicht irgendein Mord gewesen, so Matthew Caruana Galizia. "Wenn überall um dich herum Blut und Feuer ist, ist das Krieg."

Die Regierung habe zugelassen, dass eine "Kultur der Straffreiheit" auf Malta gedeihe. "Wären die Behörden bereits an der Arbeit, gäbe es keinen Mord, der aufgeklärt werden muss."

Matthew Caruana Galizia, der das Inferno mit ansehen musste, wird noch deutlicher: "Joseph Muscat, Keith Schembri, Chris Cardona, Konrad Mizzi, der Generalstaatsanwalt und die lange Liste der Polizeibeauftragten, die nichts unternommen haben: Ihr seid Komplizen. Ihr seid dafür verantwortlich."


Im Fall Galizia gibt es noch viele Ungereimtheiten. So berichten maltesische Medien, dass sich die Journalistin wegen Morddrohungen vor 15 Tagen an die Polizei gewandt haben soll. Dies dementierte die Polizei.

Ob sich Daphne Caruana Galizia der Gefahr bewusst war? Mit Sicherheit. Dennoch blieb sie ihrem Mantra treu: Den Kampf gegen die Missstände im Land erbittert zu führen - scharfzüngig und bissig.

Dem Komitee zum Schutz von Journalisten zufolge ist sie eine von 27 getöteten Journalisten in diesem Jahr.

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Comments

  1. Wolfgang Baez

    Sascha Deussen @ Wolfgang Baez Natürlich gehören die Mächtigen auch vor Gericht....Das Problem ist. denen gehören die Gerichte. Ich verstehe Sie schon. #55 _________________________________________________________________________________ mit welchem Recht gehören sie diesen Ganoven?

  2. Sascha Deussen

    @ Wolfgang Kiupel. Ich mag den Umgang auch nicht, aber er ist notwendig.

  3. Sascha Deussen

    @ Wolfgang Baez Natürlich gehören die Mächtigen auch vor Gericht....Das Problem ist. denen gehören die Gerichte. Ich verstehe Sie schon.

  4. Wolfgang Baez

    #35 hat garantiert " ein Rad ab"

  5. Wolfgang Baez

    Die deutsche Politik wird von Einigen immer "runtergemacht" aber bedenkt mal wie ziviliziert es hier doch zugeht, Vergleich zum Rest der Welt.

  6. Sascha Deussen

    @ Wolfgang Denz Ja, #35 ist wirklich schräg.....

  7. Sascha Deussen

    @ Wolfgang Denz Erstmal möchte ich mich bei Ihnen bedanken, das Sie sich zu meinem Post geäussert haben und das auch in einer redlichen Weise. Ich verstehe schon, das es einige hier übertreiben. Und ich gebe Ihnen Recht. Natürlich kann man fast alles besser machen in Deutschland, aber auf der anderen Seite möchte ich auch in keinem anderen Land leben. Unser GG, unser Sozialstaat, unsere Gesundheitsversorgung und selbst unser Existenzminimum ist wohl einzigartig in der Welt. Viele beneiden uns dafür. In dem Sinne gebe ich ihnen Recht, kann man nur lachen über so einige Kommentatoren hier. Wir sollten dennoch nicht vergessen, das Fortschritt oder eine Verbesserung nur vom Streben nach Besseren genährt wird. Und da können wir nch einiges tun. Merci für ihre Reaktion und ich hoffe man "chattet" sich noch mal wieder.

  8. Bernhard Murawski

    33 Wolfgang Denz, haben Sie meine Gedanken gelesen? Naja, die sind ja nicht Gema-geschützt.

  9. Wolfgang Kiupel

    #45 mag sein, Herr Deussen, dass ihnen der Umgang mit solchen Menschen behagt, mir nicht. Verarmt bin ich sicher nicht und Freiheitskämpfer auch nicht. Ich verachte nur diese Sorte Mensch, denn A. H. kam genau durch diese Einstellung an die Macht!!!!!!!!!!!!

  10. Wolfgang Baez

    Da gab es doch mal einen Film " Der Staatsfeind Nr.1". So ist das wirkliche Leben wenn man sich gegen die "Anal Holes" der Politik auflehnt.

  11. Wolfgang Kiupel

    #44 schon traurig, wenn man vor der Realität die Augen verschliesst!!!! Korruption gibts überall, nicht nur im ehemals Ostblock, Asien Süd-und Mittelamerika und Afrika. Wer glaubt, das dieser Filz in Europa und den USA nicht existiert, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann!!!!

  12. Wolfgang Baez

    Sascha Deussen was heisst "die Mächtigen"? Auch sogenannte "Mächtige" gehören vor Gericht, denn für sie gelten die gleichen Gesetze. Sorry, habe ich jetzt was Falschen geschrieben?

  13. Sascha Deussen

    @ Heidi Philipp ODER, man könnte sagen, Sie stehen auf Kriegsfuss mit der Gesellschaft. Natürlich gehört die Welt den Mächtigen und Lobbyisten. Es war immer so. Entweder nutzt man das, oder wird verarmter Freiheitskämpfer, oder Bloggerin, wie Sie das nennen, der den Tod nicht scheut. Ich hoffe Sie haben keine Kinder.

  14. Wolfgang Denz

    @ Sascha Deussen.. Lesen Sie dioch mal en Beitrag von #35 Adrian Heinke. Da kann man doch nur noch lachen, oder? Verschwörungstheoretiker oder Comic-Zeichner schein sein beruf zu sein

  15. Wolfgang Baez

    roland glaus Merkel und Schäuble sind doch auch nicht sauber!!! #9 _____________________________________________________________ Sie aber garantiert auch nicht.

  16. Wolfgang Denz

    @ Sascha Deussen... Naja, das ist auf Malta sicher alles besser. Sie haben Recht mit dem, was hier alles nicht in Ordnung ist. Aber gemessenan anderen Ländern oder anderen politischen Systemen ist es hier noch immer gut. Ich lache nur darüber, dass hier immer die gleichen Hetzer ALLES schlecht machen, egal in welchem Artikel. Was hat der grausame Mord auf Malte mir unserer Demokratie zu tun? Die Leute, die sich hier sooo schelcht behandelt fühlen, können ja nach Malta oder sonstwo auswandern. Dorthin, wo sie "gerechter" behandelt werden und wo alles rosarot ist. Zur Zeit gibt es wohl genügend Konflikte auf der ganzen Welt, wir sollten dankbar sein, dass wir hier in Ruhe und sicherheit lesen können. Auch das war in Deutschland nicht immer so. Aber diese eweigen Nörgler machen sich nur noch lächerlich

  17. Sascha Deussen

    Und lasst mal Malta in Ruhe. Dort ist auch der Sitz der " Interwetten.com " Gesellschaft. Jetzt macht mir nicht das Glücksspiel kaputt.

  18. Heidi Philipp

    Es ist unglaublich, dass so etwas im Jahre 2017, noch immer passiert. Furie?, eine mutige Frau, die ihr Leben riskiert, weil Sie nicht anders konnte und wollte, Sie wusste! Daphne, dein Tod war nicht umsonst, deine Nachfolgerin steht schon lange in den Schuhen. Los gehts, eine neue Bloggerin ist bereit! Ich habe keine Angst vor dem Tod, warum? Wenn ihr mich umbringt agiere ich von oben weiter:) so einfach! Was ich seit Monaten erlebe schreit dermaßen zum Himmel! Und ich werde meinen Mund niemals halten, nur über meine Leiche und vorher werde ich für Nachschub sorgen! Eine mehr als wütende Deutsche, die an Ihre Stelle tritt! Ihr werdet in Kürze von mir hören!!!! Ihr Korrupten, Lobbyisten, Verbrecher, Menschenschänder, die ihr glaubt euch gehört die Welt. Falsch! Fast Alle schnallen, was hier laüft, weltweit! Nur wenige getrauen sich, ihre Stimme zu erheben, leider. Ich erhebe sie, von Tag zu Tag, immer lauter, ihr bringt mich nicht zum Schweigen, wie gesagt, nur über meine Leiche und ich stehe zu meinem Wort. Also an alle, falls demnächst erscheint, Heidi Philipp, plötzlich verstorben, in der Badewanne ertrunken oder bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, glaubbt kein Wort! Ich bin nachweislich kern gesund, habe Energie ohne Ende, bin eine der besten Autofahrerinnen und Einparkerinnen, bin beruflich breit gefächert, uptodate, was in der Welt und in der Politik läuft.....Bekannt in fast ganz Karlsruhe, dass sie sich nichts gefallen lässt, laut wird, wenn sie schikaniert und diskriminiert wird, weil sie den Wahnsinn erkannt hat und sich vehement dagegen wehrt......Hausverbot beim Jobcenter Karlsruhe, bei der Polizei, der Sparkasse und vielen anderen Instutitionen! Warum, weil ich mich gegen Misstände, Korruption, Lobbyismus, Unterdrückung und Missbrauch von Frauen und Kindern und vielem anderen wehre. Alleine kann ich die Welt nicht retten, ist schon mehrfach gescheitert! Aber ich bin mir sicher, nicht nur ich stehe in den Startschuhen, ganz nach dem Motto:

  19. Norbert Ruck

    @ #1 Frank Schneider: "Dieser Beruf erfordert auch Mut, wenn er redlich ausgeübt wird. Wie beim Polizist oder auch beim Soldat. Die meisten deutschen Journalisten brauchen jedoch keine Angst zu haben, weil sie nicht regierungskritisch berichten." ====================================== Jetzt sage auch ich: "Bullshit! Was mischen Sie hier durcheinander? Haben Sie nicht gelesen: "...postet einer der Polizisten, der den Mord untersuchen soll (…) auf Facebook: 'Jeder bekommt, was er verdient, Kuhmist. Fühl mich glücklich :)'." Wer nicht weiß, auf wessen Seite die "Volkspolizei" im Ernstfall ist, erfährt es spätestens, wenn er mal aufmuckt!

  20. Sascha Deussen

    @ Wolfgang Denz. Wodrüber lachen Sie denn ? Über die kaputten Renten, also die Lebensarbeitsleistung der Deutschen, die mit vollen Händen an " Glückssuchende " gegeben wird, oder um die immer höher werdene Grundsteuer, oder der Anstieg der Schmutzwasserkosten, oder die Rangeleien an der TAFEL. Was genau passt Ihnen denn nicht an den Argumenten der " selbsternannten " Patrioten ? Ich meine das Ernst. Also ich würde mich wirklich über eine Argumentation ihrerseits freuen.

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