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Nach dem gemeinsamen Angriff von USA, Frankreich und Großbritannien auf mehrere Ziele in Syrien ist die politische Lage angespannt. Wie der Angriff ablief - und wie es in dem Konflikt jetzt weitergeht. (Mit Material der dpa)

Um 4:00 Uhr morgens syrischer Zeit, verkündet der amerikanische Präsident Donald Trump am Freitag den Beginn eines Militärschlags auf Syrien.
Der Vergeltungsschlag, den die USA zusammen mit Frankreich und Großbritannien durchführen, ist eine Reaktion auf den Giftgasangriff auf die syrische Stadt Duma. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind bislang 43 Menschen an den Auswirkungen der Chemiewaffen gestorben. Rund 500 weitere Personen mit entsprechenden Symptomen befinden sich noch in Behandlung.
Frankreich, die USA und Großbritannien werfen der syrischen Regierung unter Diktator Baschar al-Assad (im Bild) vor, für den Giftgasangriff verantwortlich zu sein. Bei seiner Ansprache am Freitag nannte Trump Assad ein "Monster".
Nach Angaben der USA handelte es sich bei den Luftangriffen vom Freitag um einen gezielten Schlag gegen die Infrastruktur zur Herstellung von Chemiewaffen in Syrien, bei dem drei Ziele attackiert wurden.
Ziel Nummer eins ist ein Forschungszentrum in Barsah. Dort ist eine Zweigstelle des staatlichen Zentrums für wissenschaftliche Studien und Forschung untergebracht. Das Pentagon sprach von einem Zentrum für die "Erforschung, Entwicklung, Produktion und Erprobung chemischer und biologischer Kriegstechnologie". Der Leiter des Generalstabs des US-Militärs, Kenneth F. McKenzie (im Bild) sagte, es sei zerstört worden.
Die syrische Armeeführung erklärte, ein Gebäude der Forschungseinrichtung nördlich von Damaskus sei beschädigt worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, es sei zerstört worden und veröffentlichte Fotos der Ruine.
Das zweite Ziel ist eine Lagerstätte bei Schien (Him Shinshar). In dem Depot westlich der Stadt Homs in Zentralsyrien lagerte nach Angaben von US-Generalstabschef Joseph Dunford der chemische Kampfstoff Sarin. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, bei Schien sei auch eine Forschungseinrichtung gewesen.
Das letzte bestätigte Ziel befindet sich nach Darstellung der USA in der Nähe des ersten Lagers. Dort wurde demnach auch auch ein wichtiger Kommandoposten der syrischen Armee bombardiert. Diesem sei ein Lager für Chemiewaffenausrüstung angeschlossen gewesen.
An dieser Bombardierung waren nach Darstellung der USA keine US-Marschflugkörper beteiligt. Das deckt sich mit Angaben aus Kreisen des Pariser Verteidigungsministeriums, dass französische Streitkräfte im Raum Homs zwei Lager- und Montagestätten für Chemiewaffen angriffen - eine davon gemeinsam mit den USA, eine allein.
Neben den drei von den USA bestätigten Zielen soll laut dem russischen Verteidigungsministerium auch der Militärflughafen Dumair, östlich von Damaskus angegriffen worden sein. Die syrische Luftabwehr habe aber alle zwölf Geschosse abgefangen. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte, dass "Raketen" abgefangen worden seien und kein Geschoss in Dumair eingeschlagen sei.
Durchgeführt wurde der Angriff mithilfe verschiedener Waffensystem. Die USA setzten vier vierstrahlige strategische Bomber B-1 ein, die 19 Marschflugkörper JASSM mit gut 370 Kilometern Reichweite abfeuerten.
Dazu kam die Kriegsmarine: Vom Roten Meer und vom Persischen Golf feuerten ein Kreuzer (die im Bild zu sehende USS Monterrey), zwei Zerstörer und ein U-Boot mindestens 60 Tomahawks ab.
Die Franzosen setzten von Frankreich aus fünf Jagdbomber des Typs Rafale und vier Mirage-2000 sowie Awacs-Luftaufklärer und Tankflugzeuge ein. Die Kampfflugzeuge feuerten neun Marschflugkörper des gemeinsam mit Großbritannien entwickelten Typs "Scalp" ab. Dazu kam eine Fregatte des neuen französisch-italienischen Typs FREMM, die drei Marschflugkörper "Marine-Scalp" (MdCN) abfeuerte.
Laut den USA sollen bei dem Angriff insgesamt 107, nach russischen Angaben 103 Marschflugkörper abgefeuert worden sein, eine davon hier im Bild zu sehen.
Russland zufolge seien davon 71 Stück durch die syrische Luftabwehr abgefangen worden. Die Angaben der USA widersprechen dieser Darstellung.
Die USA stufen den Einsatz als erfolgreich ein. Auf Twitter beschrieb Präsident Trump den Antriff als "perfekt ausgeführt" und bezeichnete die Mission als erfüllt.
Auch Frankreich zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Zudem forderte das Land einen "Krisenausstiegsplan" in Bezug auf den seit Jahren tobenden Krieg in Syrien. Dazu will Frankreich seine diplomatischen Bemühungen im UN-Sicherheitsrat und auf EU-Ebene verstärken.
Wie der Kreml mitteilte, wird der Angriff von Russland auf das Schärfste verurteilt. Der russische US-Botschafter kündigte an, dass die Aktion nicht ohne Konsequenzen bleiben würde. In einer einberufenen Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats am Samstag erhob das Land schwere Vorwürfe gegen die USA. Ein Resolutionsentwurf Russlands, der die Luftangriffe verurteilte, scheiterte aber im UN-Gremium.
Auch die USA, Frankreich und Großbritannien haben der UN einen Entwurf für eine Resolution vorgelegt, der aber durchgefallen ist. Diplomaten zufolge will nun Frankreich mit einem neuen Entwurf die drängendsten Fragen des Konflikts zusammen angehen: Das syrische Chemiewaffenprogramm soll nachweisbar beendet werden und es soll zudem geklärt werden, wer für Giftgasangriffe in Syrien verantwortlich ist. Eine landesweite Waffenruhe und ein gesicherter Zugang für humanitäre Helfer sollen zugleich den Weg zu einer langfristigen politischen Lösung des Konflikts ebnen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll im Land dauerhaft besiegt werden.

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