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Thomas N. steht wegen vierfachen Mordes vor Gericht. Nach Polizeiangaben hat er ein Geständnis abgelegt. Auf der Anklagebank spricht er über seine pädophilen Neigungen.

Im Gefängnis hat er ausschließlich Kontakt zu seiner Mutter. Thomas N. steht seit Dienstag in Schafisheim wegen vierfachen Mordes vor Gericht: Er soll in Rupperswil eine 48-jährige Frau, deren Söhne (13 und 19 Jahre alt) sowie die Freundin des älteren Sohnes (21) umgebracht haben.

Zuvor hat er laut Anklage den jüngeren Sohn missbraucht und seine Taten mit dem Handy gefilmt. Die Polizei war damals zu einem brennenden Haus gerufen worden und fand die Leichen.

Beschuldigter bezeichnet sich selbst als "krank"

Am ersten Prozesstag sagte der heute 34-Jährige aus. Nach Beobachtung von Gerichtsreportern antwortete er frei und umfassend auf die Fragen von Richter Daniel Aeschbach.

Auf Nachfrage des Richters bekundete er Reue. Er habe sich später bei den Hinterbliebenen entschuldigen wollen. Gerichtsreportern zufolge wirkte der Mann gefühlskalt. "Ich leide nicht", sagte der Angeklagte auf die Frage des Richters, wie es ihm gehe.

Gleichzeitig bezeichnete sich N. als "krank" und "unmenschlich": "Ein normaler Mensch macht so etwas nicht", erklärte er vor Gericht.

Er habe sich in die Vorstellung geflüchtet, dass er seine Fantasien nie in die Tat umsetzen würde. "Es war derart unvorstellbar, dass ich mir immer gesagt habe, dass ich keine Angst haben muss, so etwas je zu tun."

Zur Tötung sei es gekommen, weil er den Missbrauch vertuschen habe wollen. "Aus Angst, Schande." Das seien die Hintergedanken gewesen. Das Messer als Tatwaffe habe er gewählt, weil er gedacht habe, "das geht wahrscheinlich am einfachsten, am schnellsten, am schmerzfreisten".

Sexuelle Orientierung? "Pädophil"

Auf seine sexuelle Orientierung angesprochen, sagte N. mehrfach: "Ich bin pädophil." Er habe die Hoffnung gehabt, dass die Neigung heilbar sei. "Mein Ziel war immer, keine solchen Gefühle mehr zu haben. Aber wenn es zwei Gutachten anders sagen, wird es so sein."

Im Moment sei sein Sexualleben inexistent. Seine Fantasien seien im Gefängnis andere. Es kämen auch weniger Kinder vor als in seiner Zeit in Freiheit.

Vor seiner Verhaftung sei er internet- und pornographiesüchtig gewesen, sagte N. Er habe sich immer wieder durch kinderpornographische Videos geklickt und sich eingeredet, dass sie auch existierten, wenn er sie sich nicht ansehen würde.

Aus Scham habe er sich keine professionelle Hilfe gesucht. N. - ein ehemaliger Jugend-Fußballtrainer - ist nicht vorbestraft.

Seine Schützlinge im Fußballverein hätten von ihm nichts zu befürchten gehabt, betonte N. Er habe nie darüber nachgedacht, eines der Kinder aus dem Klub zu missbrauchen.

Psychiater halten N. für therapierbar

Zwei Psychiater hatten den Angeklagten im Vorfeld des Prozesses untersucht. Sie beschrieben N. als stark dominant orientierten Narzissten mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung. Zudem habe er stark unter Versagensangst gelitten und sich deshalb ein Lügengebilde aufgebaut.

Dieses sei nach seiner Verhaftung zusammengestürzt. Es bestehe weiter die Gefahr, dass er in Fantasien abdrifte. Das Rückfallrisiko sei hoch: N. sei zwar offen für Therapien, doch sein manipulatives Verhalten machte es schwer, dass diese Früchte trügen. (ank)

Mit Material der dpa

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