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Viele Menschen rücken Bakterien und Viren mit harten Mitteln auf den Leib. Das ist oft keine gute Idee, denn viele Keime sind sehr nützlich für den Menschen. Einige brauchen wir sogar, um gesund zu bleiben.

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Schnell noch eben die Wäsche in die Maschine gesteckt. Damit sie wirklich sauber wird, den guten Hygienespüler hinzugeben. Fehlt nur noch die Küche: Dort sollen sich nun wirklich keine Bakterien tummeln. Also lieber fix mit Desinfektionsmittel putzen. Wenn man schon dabei ist, kann man damit doch gleich auch noch das Bad und die Türklinken reinigen. Oder?

Experten sagen: lieber nicht. Zu viel Hygiene ist im Haushalt gar nicht sinnvoll. Natürlich soll es dort möglichst sauber sein, wo sich viele Bakterien tummeln. Aber viele harte Reinigungsmittel haben ihre Tücken und können nicht nur dem eigenen Körper schaden, sondern auch der Umwelt.

"Für den Haushalt reicht es aus, drei Reinigungsmittel zu verwenden", sagt Dr. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Drei Reinigungsmittel reichen für einen sauberen Haushalt aus

Das erste Reinigungsmittel, das sie dabei empfiehlt, ist ein Allzweck- oder Neutralreiniger. Damit reinigt man Fußböden und Oberflächen, außerdem wirkt er gegen Fettablagerungen.

Als zweites Mittel empfiehlt die Diplom-Chemikerin Zitronensäure oder Essig. Damit beseitigt man Kalkablagerungen und Harnstein.

Gegen hartnäckige und verkrustete Verschmutzungen helfen als drittes Mittel Kratzschwämme oder ein Scheuermittel.

"Für einen hygienischen Hausputz sind gar keine Spezialmittel nötig", sagt die Expertin. Das gilt auch für Hygienespüler bei der Wäsche. "Es reicht völlig aus, die Wäsche mit einem normalen Waschmittel bei 60 Grad Celsius zu waschen."

Desinfektionsmittel haben in einem normalen Haushalt nichts zu suchen, sagt die Expertin: "Die meisten dieser Mittel enthalten problematische Inhaltsstoffe, die Allergien auslösen können."

Darüber hinaus leben auf der Haut sehr viele Bakterien, die nützlich sind, weil sie schädliche Erreger fernhalten. Ein Desinfektionsmittel aber wirkt auch gegen die guten Keime auf der Haut. Zudem können aggressive Mittel die Haut austrocknen. Der Körper braucht außerdem Bakterien in seiner Umgebung, um das Abwehrsystem zu trainieren.

Desinfektionsmittel haben im Haushalt nur selten eine Berechtigung

Desinfizierende Mittel gehören deshalb in Krankenhäuser - aber nicht in private Haushalte. "Allerdings gibt es Ausnahmen, wenn ein Familienmitglied ansteckend erkrankt ist", sagt die Expertin. In diesem Fall sollte man den Arzt fragen, ob es sinnvoll ist, ein Desinfektionsmittel zu verwenden, welches Mittel gegen den jeweiligen Erreger wirkt und wie und wo man es anwenden sollte.

Ein weiterer Nebeneffekt von Desinfektionsmitteln ist, dass sie oft nur schwer biologisch abbaubar sind. "Deshalb gelangen sie bis in die Kläranlagen und schädigen dort die Bakterien", sagt die Expertin. Das ist ein Problem, denn Aufgabe der Bakterien in den Anlagen ist es, das Abwasser zu reinigen.

Dort gründlich sein, wo sich viele Bakterien tummeln

Hinzu kommt noch ein ganz anderes Problem: Unter Umständen kann der Einsatz von Desinfektionsmitteln dazu führen, dass sich resistente Keime bilden. Im schlimmsten Fall wirken die Mittel dann, wenn es wirklich notwendig wäre, gar nicht mehr gegen die Erreger.

Wer seinen Haushalt sauber halten möchte, sollte es dort mit der Hygiene genauer nehmen, wo sich viele Bakterien tummeln. "Dazu zählen zum Beispiel der Kühlschrank und der Abfalleimer", sagt die Expertin.

Den Kühlschrank sollte man regelmäßig mit einem Allzweckreiniger auswischen und auch den Abfallbehälter regelmäßig leeren und reinigen. Wichtig ist auch, Spülschwämme und Putzlappen regelmäßig auszutauschen, da sich Erreger in der feuchten Umgebung wohlfühlen und vermehren. Auch Türklinken sollte man regelmäßig reinigen.

Es gibt einige Möglichkeiten, um die nützlichen Bakterien zu unterstützen

Möglich ist auch, die Wohnung komplett mit Hausmitteln zu reinigen, zum Beispiel mit Zitronensäure, Seife und Soda. "Putzmittel und auch selbst gemischte Reiniger dürfen wegen der Verwechslungsgefahr auf keinen Fall in Getränkeflaschen oder Lebensmittelverpackungen gefüllt werden und dürfen nicht in die Hände von Kindern gelangen", sagt die Expertin.

Wer die guten Bakterien auf der Haut und im Körper unterstützen möchte, kann ebenfalls eine Menge für sie tun. Im Darm leben viele Bakterien, die bei der Verdauung helfen und den Körper gesund halten. Ihnen hilft es, wenn man möglichst viele unverarbeitete Lebensmittel und fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kimchi isst.

Sehr zuckerhaltige Lebensmittel hingegen sind nicht gut für die Bakterien im Darm. Ebenso schadet es ihnen sehr, wenn man Antibiotika einnimmt. Diese sollten nur dann eingenommen werden, wenn eine schwere Infektion vorliegt.

Den Bakterien auf der Haut wiederum schadet übermäßiges Waschen. Einige Experten raten deshalb sogar dazu, nur zwei- bis dreimal in der Woche zu duschen. Dabei sollte man täglich die Bereiche des Körpers mit warmem Wasser reinigen, an denen viele Schweißdrüsen sitzen, also die Achselhöhlen, Füße und den Genitalbereich.

Wer gern häufiger duscht, tut seinen Bakterien einen Gefallen, wenn er das Wasser nicht zu heiß einstellt und nicht täglich ein Peeling verwendet.

Verwendete Quellen:

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